Es gibt bei manchen Terminen einfach eine Art Routine. Es ist eigentlich nie die Frage, ob man dieses Mal wieder hingeht und es ist auch nie die Frage, was man erwarten kann oder was es Neues gibt. Manches hat eben im positiven Sinn seine Routine oder Tradition. Auch der Hohenheimer Tag, denn im Grunde ist der Ablauf immer gleich. Vormittags findet die Mitgliederversammlung des Vereins der Freunde der LAB statt, bei der über die Aktivitäten des vergangenen Jahres berichtet wird, und natürlich auch klassische Vereinsthemen wie Kassenbericht oder Nachwahl von Beisitzern abgehandelt wird. Alles sehr strukturiert, informativ und unaufgeregt. Solide Vereinsarbeit eben.

Eine Sache war dann dieses Jahr aber doch komplett anders. Die Bewirtung wurde komplett von den Mitarbeitern der LAB organisiert und durchgeführt. Dabei wurde nicht mehr jede Tasse Kaffee oder Brezel einzeln bezahlt, sondern das Ganze pauschal abgehandelt: Ein Zehner in einen der großen Honigeimer war die Flatrate für die Bewirtung. Mittags gab es dann ein großes Buffet verschiedener Pizzen. Ein sehr guter Ansatz und wahrscheinlich das ideale Konzept für diesen Tag.

Am Vormittag ist es auch immer gute Tradition, dass Dr. Peter Rosenkranz über die aktuellen Projekte und Planungen der LAB berichtet und einige Mitarbeiter exemplarisch ihre Projekte vorstellen. Folgende Themen wurden dieses Mal detaillierter vorgestellt:

Dr. Peter Rosenkranz: Überblick über Aktivitäten und Forschungsprojekte
Melanie Marquardt: Blüten für Bestäuber
Carolin Friedle: Pollenprojekt: Pollen sammeln in Baden-Württemberg
Annamaria Achtzehn: ABO Projekt
Carolin Rein: „BeePax“ – Projekt: Neuere Untersuchungen zu Lithiumchlorid und den Nebenwirkungen auf die Bienenbrut
Dr. Peter Rosenkranz: Ergänzende Informationen zu LiCl

Vorträge am Nachmittag, an dem auch Nichtmitglieder des Vereins teilnehmen konnten:

Varroa-Bekämpfung im Zeichen veränderter Umweltbedingungen

Dr. Stefan Berg, Institut für Bienenkunde und Imkerei in Veitshöchheim, Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (www.lwg.bayern.de)

  • … im Zeichen des Klimawandels
  • Aufzeichnungen zu Klimadaten zeigen deutlichen Temperaturanstieg in den letzten 30 Jahren
  • Weiterer Anstieg der Temperatur, Trockenheit und Wetterextremen abzusehen
  • Klimabedingte Veränderungen schon zu erkennen, Bayerische Bienenprüfhöfe, Reinigungsflug: Trend zur Vorverlegung ist zu erkennen, 28 Tage in 30 Jahren
  • Varroa ist Hauptfaktor für gute Überwinterung
  • Trachtnet zeigt: früherer Trachbeginn = Bienen früher aus dem Winter und damit auch früherer Brutbeginn = höhere Varroabelastung = höhere Verluste im kommenden Winter
  • Schadschwellen werden früher erreicht
  • Baurahmen 3-5x ausschneiden pro Volk, Behandlungserfolg 20-50%, sehr früh einbringen
  • Zunahme an Hitzetagen: www.varroawetter.de
  • Nassenheider professional ist bis 35*C nutzbar und wird daher klar empfohlen (gute Erfahrungen mit 290ml pro Behandlung, Nebenwirkung Brutfreiheit)
  • Teilen und Behandeln ist unabhängig von Temperatur
  • Künstliche Brutunterbrechung wird wahrscheinlich erforderlich werden: Saisonale Brutpause zur Unterbrechung der Varroavermehrung (siehe Flyer-Set aus Hessen, Landesbetrieb Landwirtschaft)
  • Biotechnische Verfahren zur Brutunterbrechung (z.B. Sperren der Königin oder Bannwaben) werden im Mittelmeerraum bereits erfolgreich genutzt (von dort abgeschaut…)
  • Veränderung der Umweltbedingungen erfordern langfristig eine Anpassung der Behandlungskonzepte mit künstlicher Brutunterbrechung
  • Verfahren mit organischen Säuren sind produktorientiert und nicht bienenorientiert (Bienen und Brut werden geschädigt)
  • (Zu Einspruch, dass die vorgestellten Methoden viel Zeit benötigen: „Wenn ich keine Zeit für meine Bienen habe, habe ich zu viele Bienen“)

Bienen, Imkerei und Honigqualität in fremden Ländern (verschiedene Pilotprojekte mit Nachhaltigkeit)

Dr. Dr. Helmut Horn (Hohenheim)

(Dr. Dr. Horn hat vor seinem Vortrag die silberne Medaille der Gesellschaft der Freunde der LAB erhalten.)

  • Projekte weltweit, die meisten in Afrika
  • Vorteile in Entwicklungsländern: Vermehrung über Naturschwärme, kaum Krankheiten, keine Fütterung, kapitalextensiv
  • Einsatz von Bienenprodukten wird vermittelt und mit traditionellem Wissen kombiniert
  • Kein eigenes Land nötig
  • Keine kulturellen Tabus zur Nutzung von Bienenprodukten
  • Viel im Eigenbau möglich und von Frauen und Kindern zu leisten, d.h. Einkommen wird verbessert
  • Keine Schädigung der Natur, wie bei anderer Landwirtschaft und Viehhaltung
  • Honigbier und -wein sind in Äthiopien Nationalgetränk
  • Es werden lokale Bienenrassen bevorzugt, da damit extensive Bewirtschaftung möglich ist
    • An Klima angepasst
    • Hohes Ausräumverhalten, z.B. bei Beutenkäfer und Varroa
    • Geringe Krankheitsanfälligkeit
    • Extreme Aggressivität, daher Bearbeitung meist nur in Dämmerung und Nacht
    • Geringere Honigleistung
  • Beispiele
    • Projekt zum Aufbau eines Imkereisektors in Uganda
      • Ugandische Honigverordnung
      • Aufbau erster Imkerschule in Zentralafrika
      • Akkreditierung zum Export von Honig
      • Königinnenzucht mit einheimischen Bienenarten
      • Meist Einsatz von einfacher Top-Bar-Hive
    • ALOKA-Projekt in Kenia
      • Projekt mit Landfrauen im Distrikt Kisumu
      • HIV-Quote bei 65%
      • Imkerei als zusätzliche Einkommensquelle eingeführt
      • Regionale Bienen sehr aggressiv, Schwarmfang natürlicher Schwärme mit Schwarmfangkisten
      • Nutzung von Magazinen
    • Projekt in Madagaskar
      • EnBW betreibt große Farm zur CO2-Kompensation
      • Pflanzenöl der Samen wird als Treibstoff genutzt
      • Untersuchungen zur Effektivität der Bienenbestäubung und Nutzung des Honigs
    • Untersuchung der Möglichkeiten für Bienenhaltung im Oman
      • Königinnenzucht und Ablegerbildung einführen
      • Bienenhaltung in Oasen, zeitlich begrenzte Tracht
      • Traditionell auf dem Land Imkerei mit Log-Hives, in der Stadt mit Magazinen
    • Fazit
      • Imkerei kann mit geringen Mitteln in Entwicklungsländern positiven Einfluss haben: Verbesserung statt Schädigung der Natur, bessere Ernten, zusätzliches Einkommen, geringere Landflucht

Waldtracht: Verlauf 2018 und Aussichten für 2019

Thomas Lorenz (LVWI, Trachtobmann und www.stockwaage.de)

  • Letztes Jahr sehr späte Entwicklung der Läuse
  • Blütentracht war 2018 gut
  • Zu wenig Regen und geringe Bodendurchfeuchtung
  • Sehr häufig „Zementhonig“ im Wald, der noch schleuderbare Honig hatte aber sehr hohe Qualität
  • 2018 war „Tannenjahr“, regional sehr unterschiedliches Auftreten und später Ertrag, letztes Tannenjahr 2014, 2017 war Lecanienjahr
  • Bisher noch keine Lecanienlarven gefunden
  • Massenbefall von Schildläusen (Lecanien) und Rindenläusen (Lachniden) erforderlich, bei Besatz von ca. 20% der Quirle Aussicht auf gute Tracht, Anwanderung vor Trachtbeginn bei Lecanien zwingend erforderlich
  • Faktoren bei Lecanien: warmer und trockener August im Vorjahr, wahrscheinlich aber zu starke Parasitierung
  • Faktoren bei Lachniden: nasser Herbst und wärmerer November im Vorjahr, März aktuell schon zu warm
  • Theoretisch nur wenige Bäume für gute Tracht erforderlich, am Waldrand wahrscheinlich zu viel Beitracht
  • Fazit:
    • schlechte Prognose für die nächsten 5-10 Jahren bei Lecanien
    • Tanne ebenfalls schlechte Prognose für Lachniden
  • „Die nächsten 3 Jahre könnt ihr vergessen.“