Für die Teilnahme am ganzen Imkertag war keine Zeit, aber der Vortrag von Prof. Dr. Menzel hat mich sehr interessiert. Sonntags also Ausflug nach Unterkochen:

Programm des Imkertages, Veröffentlichung in Bienenpflege

Wie Neonicotinoinde das Verhalten von Bienen stören
Prof. Dr. Dr. h.c. Randolf Menzel

  • neurobiologie.fu-berlin.de
  • Menzel: 50 Jahre im Bereich des Gehirns der Bienen geforscht
  • Verhalten der Bienen ist intelligent und durch Einflüsse gefährdet, insbesondere das Auffinden der nektartragenden Pflanzen => Nahrungsmarkt ist kompliziert
  • Höhen haben hohen Lernbedarf und muss ausgeprägtes Gedächtnis für Ziele und Heimweg zum Stock haben
  • 1 Liter Honig = 170.000 km = 6 Mio. Blüten = 6 Mio. Entscheidungen mit einem sehr kleinen Gehirn (so groß wie ein Sandkorn, 1 Mio. Nervenzellen, aber perfekt verschaltet)
  • Schwänzeltanz als symbolhafte Kommunikation ist einmalig im Tierreich, nur der Mensch ist in der Lage ähnlich zu kommunizieren
  • Gehirnstruktur und Leistung ähnlich wie Vorderhirn beim Menschen
  • Ziel der Entwicklung von Neonicotinoiden war es, Insekten gezielt durch Ausschalten des Gehirns zu töten (Entwicklung japanischer Forscher)
  • Triacloprid wird immer häufiger in Honig nachgewiesen
  • EFSA (European Food Safety Authority) zuständig
  • 80% der Neonicotinoiden kommt in den Boden und verschlechtert die Bodenqualität, es gerät so auch in Grundwasser und Flüsse
  • Biomasse flugfähiger Insekten geht massiv zurück (Krefelder Studie)
  • In rund 20 Jahren hat sich die Anzahl der gegen Neonicotinoide resistenten Schadinsekten hat sich von 1 auf 20 erhöht
  • Triacloprid kommt mit ca 90 ng/g in Pflanzen vor
  • Neonicotinoide schädigen die Verbindung von Nervenzellen im Gehirn und führen zum Absterben der Zellen, sie können nicht nachgebildet werden
  • Lernen und Erinnerungstest zeigt, dass Neonicotinoide das lernen stören bzw. die Erinnerung negativ beeinflussen
  • Freilanduntersuchung mit Radar und Transpondern auf Bienen (siehe Film More than Honey) dienen zu Erforschung des Landschaftsgedächtnisses
  • Beim Sammelflug nutzt Biene zuerst ihr Routengedächtnis. Wird sie an andere Stelle versetzt, nutzt sie ihr Landschaftsgedächtnis und findet zum Stock zurück
  • Nachweis erbracht, dass Triacloprid das Heimfindevermögen stört und die Häufigkeit von Schwänzeltänzen reduziert
  • Bayer Calypso: Angabe B4 nicht bienengefährlich, da diese Eingruppierung nur auf dem Töten basiert, Bienen werden aber massiv in ihrer Orientierung gestört
  • Glyphosat schädigt Navigation auch massiv, da ein Abbauprodukt einen Gehirnrezeptor schädigt
  • Untersuchungen wurden mit Einzelwirkstoffen durchgeführt, eingesetzte Spritzmittel sind aber Cocktails mit potenzierten Wirkungen
  • Was steckt wirklich hinter dem Verlust von Völkern? Einfluss von Neonicotinoiden wahrscheinlich höher als bemerkt, da zum Beispiel Varroen gezählt werden können und Neonicotinoide nicht

  • Fragen/Antworten nach dem Vortrag
    • Schädigung des Menschen? In Japan wurden bei Reisbauern starke Hautschädigungen und eine reversible Art von Parkinson gefunden. In Frankreich ist Parkinson als Berufskrankheit anerkannt. Bei länger chronischer Aufnahme gibt es wahrscheinlich keine Schwellwerte (Korrelation gefunden).
    • Studie in Frankreich: Bei normaler Fruchtfolge ist der Nutzen bei 80% der Landwirte nicht wirklich gegeben, nur im Bereich der Energiepflanzen erscheint ein Nutzen nachweisbar.
    • Neonicotinoide sollten als Reserve im Fall von massiven Schaden durch Schadinsekten einsetzbar sein, nicht aber weiterhin in zu hohen Dosen als Standardbehandlung.
    • Proben von Geschädigten Bienen müssen dunkel und eingefroren gelagert werden. Kühlkette wichtig, da das Sonnenlicht und Wärme Neonicotinoide abbaut.
    • Hinweis auf massive Schäden in Indien beim Reisanbau mit Glyphosateinsatz.

Jungimkerin der Bottwarbienen im Gespräch mit Prof. Menzel

Gesund, schlank und fit mit Honig – Honigirrtümern auf der Spur
Renate Frank

  • Heutzutage wird zu wenig und nicht regelmäßig genug Honig gegessen, siehe u.a. Low Carb
  • Ohne Energie läuft nichts im Körper!
  • Für den Energiegewinn muss entweder Fett oder Zucker verbrannt werden
    • An Fett kommt der Körper nur langsam, es dient als Energiespeicher
    • Häufig braucht man schnell Energie, es kann also nicht auf das Fett gewartet werden
    • Kohlehydratarmut führt zu reduzierter Leistungsfähigkeit
    • Gehirn wird nur über Traubenzucker ernährt und kann nichts speichern, es braucht also permanent Zucker (2/3 der Zuckermenge aus dem Blutkreislauf)
    • Ohne Kohlehydrate geht es nicht, aber verschiedene Kohlehydrate wirken unterschiedlich
    • Nicht geeignet als Energiespendern: Schokolade, Marmelade, Kekse, Kuchen, sie enthalten kein oder kaum Chrom als Spurenelement, Insulin als Schlüssel in die Zelle erforderlich
  • Honig: >30 verschiedene Zuckerarten und Spurenelemente Chrom
    • Zucker aus Honig wird doppelt so schnell aufgenommen als Traubenzucker z.B. aus Haushaltszucker, Blütenhonig enthält 1.000x mehr Chrom als Haushaltszucker
    • Zusätzlich enthält Honig B-Vitamine, sie bestimmen die Energiemengen, die aus dem Zucker entstehen können
    • Die Nerven verbrauchen am meisten Energie, bei Stress wird also mehr Energie und B-Vitamine benötigt (Stress, Nervosität, Schlafmangel, Diabetes, etc.)
    • B-Vitamine aus Medikamenten müssen durch Enzyme im Darm umgewandelt werden, mit Honig erhält der Körper im Gegensatz dazu immer genau die richtige Menge B-Vitamine zum Zucker
  • Frühstück am besten mit Kohlehydraten
  • Acetylcholin ist wichtiger Botenstoff für Gedächtnis und Konzentration, Eiweiß Cholin ist im Honig enthalten, Cholin wird als vitaminähnliche Substanz eingeordnet
  • Ein kohlenhydratreiches Frühstück (Cholin, Kohlenhydrate, Energie) mit Honig erhöht das Denkvermögen
  • Honig zum Frühstück oder als Zwischenmahlzeit ideal
  • Körperzellen werden ständig ab und wieder aufgebaut = Regeneration, dazu werden Eiweißbausteine benötigt
  • Für den Aufbau werden 20 verschiedene Aminosäuren benötigt, beim Fehlen einzelner ist der Prozess gefährdet und man wird anfälliger für Krankheiten
  • Honig enthält alle 20 Eiweißbausteine und kann daher zum Ausgleich anderer Lebensmittel, Beispiel Brot + Honig
  • Wenn nach mehreren Stunden der Blutzuckerspiegel sinkt, wird Energie aus der Leber entzogen, bei sinkenden Zuckerreserven in der Leber werden Stresshormone ausgeschüttet (Unterzuckerung führt zu metabolischen Stress), Folgen sind Leberkrankheiten, Diabetes und Übergewicht, Cholin im Honig hilft der Leber bei Erkrankungen
  • Der beste Schutz für die Leber ist eine intakte Darmflora (ideal sind 40% Bifidusbakterien), Blütenhonige sind besonders gut für den Darm
  • Die häufigste Mangelkrankheiten weltweit ist Eisenmangel (Müdigkeit, Blutarmut, Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche, etc.), Honig enthält Eisen zusammen mit Vitamin C und pflanzliche Farbstoffe, Vitamin C und die Flavonoide sind zur Aufnahme von Eisen erforderlich
  • Honigfarbstoffe schützen Vitamin C vor Zerfall und erhöhen die Wirksamkeit
  • Schlafstörungen können auf Melatoninmangel zurück zu führen sein, Baustein Tryptphan, ideale Spätmahlzeit ist warme Milch mit Honig
  • Honig ist ein gutes Anti-Aging-Mittel, Honig enthält viele wichtige Stoffe die gemeinsam wirken in einem ausgewogenen Verhältnis
  • Fragen/Antworten nach dem Vortrag
    • Ideale Menge pro Tag ca. 2 Esslöffel Honig
    • Rapshonig gut bei Erkältungen, Mischhonig gut für Darm, dunkle Honige mehr Eisen/Mineralstoffe und gut für Wundbehandlung
    • Einzige Gruppe an Menschen, die Honig nicht verträgt, sind Personen mit Fruchtzuckerunverträglichkeit
    • Manukahonig ist für Wundbehandlung als Medikament zugelassen (Wundbehandlung, Medihonig), Wirkung ist aber auch bei europäischen Honig genauso gut (z.B. Buchweizenhonig sogar besser), zur Ernährung ist europäischer Honig genauso gut
    • Diabetiker: 2 EL Honig pro Tag in Verbindung mit anderen Lebensmitteln in Ordnung

Neben Vorträgen und Workshops gab es auch eine Messe in und vor der Sporthalle, im Foyer war eine „Bienenvoliere“ aufgebaut.