Immer am zweiten Sonntag im März findet der Hohenheimer Tag der Gesellschaft der Freunde der Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim e.V. statt.

Den Tag trotz strahlendem Bienenflugwetter in einem Hörsaal am Uni-Campus zu verbringen, hat sich aber gelohnt. Am Vormittag standen anfangs die klassischen Themen einer Mitgliederversammlung an: Rechenschaftsbericht, Wahlen, Ehrungen, etc.

Anschließend wurden von Mitarbeitern der Landesanstalt Kurzvorträge zu aktuellen Themen und Projekten gehalten:

  • Gesamtbericht der Landesanstalt siehe Bienenpflege Ausgabe März 2017
  • Honiganalysen, Re-Akkreditierung nach DIN 17025 erfolgt
  • Imkerschulungen: Bedarf kann nicht annähernd befriedigt werden. Strukturen in Diskussion.
  • Forschungsschwerpunkte: Varroa. Microbiota (Kooperation mit AG Prof. Hasselmann) Pflanzenschutz, Ernährung
  • Neubau Institutsgebäude: Planung abgeschlossen.
  • Lithiumclorid (Lithiumionen): Untersuchung der Wirkmechanismen läuft. Mit Futter verabreichbar und sehr effektiv und keine Nebenwirkung.
  • AS Behandlung: Vergleich Nassenheider prof. mit MAQS und Apitraz.
  • Zierpflanzen: Untersuchung, welche Zierpflanzen bieten Nutzen für Insekten/Bienen? Unterschiede in den Sorten einzelner Arten sehr groß. Empfehlungen daher nur für konkrete Sorte möglich.

Am Nachmittag wurden drei Vorträge gehalten. Drei sehr unterschiedliche Themen, aber alle sehr interessant.
Nachfolgend einige Stichworte zu den Inhalten:

Waldtracht: Verlauf 2016 und Aussichten 2017 (Thomas Lorenz, stockwaage.de, LVWI Obmann für Trachtbeobachtung und Wanderung)

  • Sortenreinheit bei Waldtracht nur gewährleistet, wenn parallel wenig andere Tracht
  • Massenbefall von Läusen erforderlich
  • Rechtzeitig mit leistungsstarken Völkern anwandern
  • 2016: Mitte Juni bis Mitte Juli
  • Rindenläuse: mehrere Generationen pro Jahr, schlecht prognostizierbar
  • Schildläuse: eine Generation pro Jahr, gut prognostizierbar

Bienenviren und ihre Bedeutung für die Imkerei (Dr. Marina Meixner, Bieneninstitut Kirchhain)

  • Rund 20-30 Virusarten bei Bienen bekannt
  • 3-4 sind wichtig
  • Die meisten Infektionen zeigen keine Symptome
  • Wichtigste Viren
    • Sackbrut-Virus
    • Flügeldeformation-Virus
    • Chronischer Bienenparalyse-Virus
  • Gesunde Völker: Rund die Hälfte hat Viren. Geringer Anteil von Mehrfachinfektionen.
  • Kranke Völker: Sehr oft Mehrfachinfektionen.

Flügeldeformations-Virus (DWV)

  • Bereits vor Varroa bekannt
  • Übertragung von Biene zu Biene ist langsamer Prozess
  • Varroa ist Zwischenwirt für DWV und bedeutet massive Mehrung der Viren
  • Varroamanagement: Drohnenbrutschneiden, Brutpause im Sommer, Behandlung nach Schadschwellen

Chronischer Bienenparalyse-Virus (CBPV)

  • Nicht mit Varroa assoziiert
  • Hairless Black Syndrome – Schwarze haarlose Bienen, aufgebähtes Abdomen, Zittern, Flugunfähig, Koordinationsstörungen, Flügelspreizen
  • Saisonales Auftreten, meistens im Frühjahr und Frühsommer
  • Infektion über Kontakt, Futter bzw. Kot kranker Tiere
  • Massiver Totenfall und Völkerschädigung
  • Befallene Völker separat aufstellen, umweiseln, Bienendichte reduzieren, eventuell abtöten
  • Befallene Völker von Nachzucht ausschließen
  • Aufzuchtvölker und Pflegebienen aus freien Beständen
  • Extreme Vorsicht bei Königinnen, kleinste Verletzungen können den Ausbruch begünstigen

Tierethische Überlegungen in der Imkerpraxis (Erwerbsimker Albrecht Pausch, Scheyern)

  • „Betriebsmittel versus Heile Welt“
  • Achtsamer Umgang mit den Bienen
  • Stichworte zum Umgang mit den Bienen:
    • Einsatz von Bienenfluchten und BeeBlower
    • Nur nachts wandern
    • Sehr vorsichtig abkehren und stets Rauch einsetzen
    • Zufluchtsvölker an Stand belassen, max. 20-30 Völker pro Stand

Fazit: Bienen so achtsam wie möglich behandeln. Immer abwägen, was eine Aktivität bewirkt.

Im Grunde sind meine Ansätze bei den Bottwarbienen recht nah an den Ideen und der Betriebsweise vom Bienenhof Pausch.