Bei uns steht im Fokus, dass es unseren Bienen gut geht. Deshalb ist es sehr sinnvoll, auch das Thema Bienenkrankheiten immer wieder aufzufrischen und durch neue Informationen zu ergänzen. Aus diesem Grund stand auch dieses Seminar an der Landesanstalt für Bienenkunde an der Uni Hohenheim auf dem Programm.

Dozent an diesem Tag war Dr. Peter Rosenkranz, der sehr gut strukturiert, umfassend und präzise auf den Punkt gebracht alle Informationen zu den relevanten Bienenkrankheiten vermittelt hat. Ein sehr empfehlenswerter Kurs!

Grundsätzlich: Gute imkerliche Praxis ist entscheidend!

  • Standortwahl
  • Volksentwicklung und Brutverhalten genau beachten
  • Spätsommerpflege: Varroabekämpfung, Auffütterung
  • Ablegerbildung

Bienenkrankheiten

  • Nosemose „Frühjahrsschwindsucht“: Nosema apis, Nosema ceranae, einzellige Pilze, viele Arten auch bei Hummel, Wildbienen, Eidechsen, etc., früher Hauptgrund für Winterverluste, Symptome: Krabbler, Kotflecken in Beute, schlechte Volkentwicklung, N. apis wurde in Süddeutschland von N. ceranea verdrängt, Sporen werden durch Erhitzen >70’C vernichtet (Wachsausschmelzer), Nosema reduzieren durch starkes Volk = höherer Volksumsatz, d.h. geringere Lebensdauer der Bienen, Standort mit guter Pollenversorgung und gutem Klima, konsequentes Auflösen von schwachen Völkern
  • Amöbenruhr: Symptome und Bekämpfung analog zu Nosema
  • Tracheenmilbe: wird teilweise durch Vorroabehandlung mit erfasst (Ameisensäure), Milbe sitzt in Luftröhrchen und saugt wie Varroa, Gesamtentwicklung ca. 3 Wochen, d.h. kurze Lebensdauer reduziert

Brutkrankheiten

  • Amerikanische Faulbrut: jeder Verdacht ist von jedem anzuzeigen, sehr ansteckend, kaum Selbstheilung, Sperrbezirk und Sanierung durch Amtsveterinär, Paenibacillus larvae, Larve wird von Sporen aufgelöst, Sporen kommen in geringer Menge häufig vor, nicht gepflegte Völker werden Seuchenherd, eingefallene Zelldeckel sind Alarmzeichen, Löcher in Brut, bestellter Bienensachverständiger muss Bienen prüfen, Steichholztest zu fadenziehender Masse (>1cm) in Zelle, selten auch ohne fadenziehende Masse, Sporen im Futterkranz sind nachweisbar, Sperrgebiet 1-3km, aller Völker im Sperrbezirk werden untersucht, Dauer Sanierung 2-6 Monate, Antibiotika in EU nicht zugelassen, stärker befallene Völker werden vernichtet, leicht befallene Völker werden über Kunstschwärme saniert, Material: Eintauchen 2-3 min. in Natronlauge min. 3% oder abflammen (>129’C)
  • Europäische Faulbrut „Sauerbrut“: saurer Geruch, keine Fäden und selten eingefallene Deckel, mehrere Erreger, Verlauf analog AFB, große Probleme in der Schweiz (Klima, kleine Kästen, mangelndes Know-how)
  • Kalkbrut: tritt unregelmäßig auf, selten Totalverlust, meist nur „lästig“, Pilzerreger, Larve wird zu Mumie, schwächer Befall wird häufig übersehen, temperaturempfindlich, Königin entscheidend, Volk umweiseln

Bienenviren

  • Wichtiger Forschungsschwerpunkt, rund 100 Forschergruppen in Europa
  • Parasiten von Wirtszellen, keine lebenden Organismen
  • derzeit keine konkrete Behandlung
  • Verkrüppelter Flügel Virus, Sackbrutvirus
  • Injektion bedeutet höchste Ansteckungsgefahr = Varroa!
  • Viren alleine kein Problem, mit Varroa daher sehr großes Problem
  • Chronischer Bienenparalysevirus, Zitterbienen verlieren Haare (Schwarzsucht), meist erholt sich das Volk wieder

Schädlinge / Lästlinge

  • Wachsmotten: keine dunklen Waben, 60% Essigsäure in Wabenturm
  • Specht: Netze, mit Platten oder Planen abdecken

Neue Krankheitsprobleme

  • Tropilaelaps-Milbe, gefährlicher als Varroa, meldepflichtig um Einschleppung aus Asien zu behindern
  • Kleiner Beutenkäfer, seit 10/2014 in Kalabrien
  • Vespa velutina, Asiatische Hornisse, Frankreich, Südbaden, Südpfalz

Meldepflicht besteht für

  • Amerikanische Faulbrut
  • Kleiner Beutenkäfer
  • Trophilaelaps-Milbe

Bienenschäden (Verdacht auf Vergiftungen, o.ä.)

  • Verfahrensablauf bei Bienenschäden beachten
  • Bienensachverständigen, Veterinär informieren
  • Bei Verdacht auf Vergiftung auch Pflanzenbauberater

Praxis: Versuch zum Hygieneverhalten der Bienen

  • Rund 100 verdeckelte Zellen (Puppenstadium) werden mit Nadel durchstochen

Brut auf Wabe aus schwachem Volk mit Kalkbrut

  • Bei gesundem Volk mit gut ausgeprägtem Hygienverhalten werden von den Bienen etwa 50% der Zellen in 10 Stunden ausgeräumt
  • Im durchgeführten Versuch zeigt das schwache und kranke Volk kein Hygieneverhalten, d.h. keine der Zellen wurde von den Bienen ausgeräumt. Bei den beiden gesunden Völkern (Wirtschaftsvolk und Ableger) wurden rund 30-35% in 6 Stunden ausgeräumt bzw. es wurden die Zelldeckel aufgeknabbert um die Puppen zu entfernen.

Waben aus schwachem/krankem Volk: Nach 6 Stunden war nichts ausgeräumt (leere Zellen waren auch zu Beginn nicht besetzt)


Waben aus Wirtschaftsvolk: Nach 6 Stunden ca. 30-35% ausgeräumt


Waben aus Ableger: Nach 6 Stunden ca. 30-35% ausgeräumt