Wieder ein sehr interessantes Seminar an der Landesanstalt für Bienenkunde! Dieser Baustein unserer Seminare in diesem Jahr hat die Gewinnung von Pollen und Propolis behandelt. Dr. Klaus Wallner hat sehr fundiert, aber auch sehr praxisnah alles Wissenswerte rund um die Pollengewinnung und -verarbeitung sowie die Gewinnung von Propolis vorgestellt.

Nachfolgend einige stichwortartige Notizen:

Blütenpollen

  • Verderbliches Lebensmittel bzw. Nahrungsergänzungsmittel
  • Es ist wichtig die Gegenspieler zu kennen und Maßnahmen zu ergreifen
  • Blütenstetigkeit der Honigbienen macht sie effizient und wichtig
  • Pollenspender beispielsweise Weide im Frühjahr als Initialzündung, Borretsch, Löwenzahn, usw.
  • Raps inzwischen sehr wichtig, da andere Quellen zurück gedrängt werden. Zum Beispiel durch Intensivierung der Silagegewinnung und damit der Verdrängung der Wiesenkräuter durch häufigeres Mähen. Raps bedeutet Stress für Honigbienen, da sie gerne vielfältigere Nahrungsquelle suchen.
  • Solitärbienen sind durch diese Ausweitung großer Rapsflächen stark gefährdet, da sie ihre Nahrungsquellen nicht mehr erreichen können.
  • Pollen rieselt teilweise auch in den Nektar der Blüte und kommt so auch in geringen Mengen in den Honig. Robinienhonig ist pollenarm, Kastanienhonig enthält viel Pollen (aufgrund der Konstruktion der Blüten).
  • Pollen wird von Ammenbienen für die Brutpflege verwendet. Jungbienen fressen Pollen. Bedarf pro Volk rund 40kg pro Jahr!
  • Hibiskus bildet größte Pollenkörnchen. Vergissmeinnicht bildet die kleinsten Pollen.
  • Pollen haften an Behaarung der Bienen. Bienen sind elektrostatisch geladen und ziehen Stäube an. Selektives sammeln nicht möglich, damit auch Staub und Beizmittel gesammelt. Bienen prüfen nicht und liefern alles in den Stock.
  • Während dem Fliegen bürsten Bienen die Pollen aus dem Haarkleid in die Pollenhöschen. Pollengewicht ca. halbes Körpergewicht.
  • Automatischer Prozess mit Pollenbürsten, Pollenkamm, Pollenschieber und -kneter. Funktionale Haare übernehmen die Bildung der Pollenkörner. Pollenhöschen ca. 10 mg und kann Milliarden von Einzelpollen enthalten. Pollen werden mit Honig oder Nektar zusammengeklebt.
  • Pollen wird als Bienenbrot durch die Bienen langzeitkonserviert.
  • Pollen im Volk kunterbunt eingelagert, d.h. Bienen wollen Vielfalt.
  • Im DeBiMo werden Pollen von rund 5 Gramm analysiert. Dadurch erfolgt Vermischung, die im Volk nicht passiert. D.h. geringe Konzentration in Analyse kann trotzdem Schäden bei vereinzelten Bienen bedeuten. Aufbereitung der eingelagerten Pollen durch Bienen nicht ausreichend erforscht.
  • Bienenbrot wäre für Menschen besser als rohe Pollen. Gewinnung ist aber extrem aufwändig.
  • Pollen werden mit dem Kopf in die Zellen gestopft. Es erfolgt keine Homogenisierung. Durch Zugabe von Honig wird der pH-Wert auf ca. 3 oder tiefer abgesenkt. Zahl der aktiven Mikroorganismen (Hefen) geht damit zurück.
  • Pollen wird von den Ammenbienen gefressen und an die Larven verfüttert. Bienen sind extrem wirksamer Filter für Schadstoffe. Larvenfuttersaft wird stärker über aus dem Wachs eindiffundierte Schadstoffe belastet.
    • Arbeiterin: Aufzucht mit Gelee Royal plus Pollen
    • Königin: Aufzucht ausschließlich mit Gelee Royal
  • Inhaltsstoffe: Proteine, Aminosäuren, Fettsäuren, Kohlenhydrate (Zucker), Mineralstoffe, Vitamine, Hormone, antibiotisch wirksame Substanzen.
    • Vitamin und Eiweißkonzentrat: Nichts in der Natur enthält mehr Vitamin C!
    • Bei einseitiger Ernährung kann Gesundheit durch Pollen abgesichert werden (Vitamine und Aminosäuren).
    • Zuckergehalt 13-55%
    • Vitamine A, B (außer B4 und B12), C (sehr viel), D, E, P
  • Pollensammeln
    • Pollenfalle vor dem Flugloch (Rundlochgitter üblich, Sterngitter nicht mehr gebräuchlich), Wirkungsgrad etwa 20%, niedrige Effizienz sichert die Versorgung des Volkes
    • Gitter im Boden
    • Gitter über den Völkern (Spanien)

Pollenfalle: Fluglochvorsatz mit Pollenschale und seitlich herausziehbarem Rundlochkamm

  • Bei Einsatz von Fallen am Flugloch sollten alle Kästen am Standort ausgestattet werden, da Bienen sonst zu anderen Kästen ausweichen.
  • Spanien ist Hauptproduzent für Pollen, daneben Polen und Ungarn inzwischen stark. Hintergrund ist hoher Arbeitsaufwand durch tägliches ernten und weiterverarbeiten.
  • Bei selbst gebauten Fallen werden meist punktverschweisste Gitter mit 5x5mm Maschenweite eingesetzt.
  • Studie 2017 im Rheingraben: 500-2.000g pro Volk 2 Wochen.
  • Verschiedene Völker haben sehr unterschiedliche Sammelstrategien was Quellen und Menge angeht.
  • Was beeinflusst die Qualität?
    • Feuchtigkeit und Wärme
    • Hitze >35*C
    • Sonneneinstrahlung
    • Pilze (Schimmel)
    • Bakterien (E. coli)
    • Fremdstoffe (Flügel, Fühler, etc.)
  • Weitere Pollenfresser
    • Pollenmilben
    • Wachsmotten (verderben den Pollen und sind großes Problem)
    • Ameisen
    • Schnecken
    • Mäuse
    • Vögel
  • Zur Reinigung kann Pollen durch Systeme mit Luftdüsen aufgrund des Gewichtsunterschieds sortiert werden. Beispielhaftes Gerät von Fa. Graze näher erläutert.
  • Strategie zur Qualitätssicherung: Tägliches Einfrieren mit Trocknungseffekt. Pollen bleibt rieselfähig. Im kommerziellen Bereich werden auch kleinere Getreidereinigungsmaschinen eingesetzt.
  • Möglichkeiten der Konservierung
    • Trocknen
    • Kühlen
    • Einfrieren
    • Vakuumtrocknung
    • Gefriertrocknung
  • Trocknen zum Beispiel mit Trockenautomat für Obst bei ca. 35*C auf ca. 15% Feuchtigkeit.
  • Sichere Strategie: tägliches Einfrieren, Reinigen, Trocknen, Reinigen, dicht verpacken, kühl und dunkel lagern.
  • Frischer Pollen kann beliebig oft eingefroren und aufgetaut werden.
  • MHD zur Sicherheit kürzer als Lebensdauer, d.h. etwa 1 Jahr angeben mit Hinweis zur kühlen Lagerung (Kühlschrank).
  • Verwendung von Pollen
    • Pollen für die Hummelzucht
    • zur Nahrungsergänzung
    • Therapiepollen in der Medizin
    • als Hausmittel
  • Empfehlung: 300g Pollen frischen Blütenpollen in 600g cremigen Honig einrühren, 14 Tage warten bis der Pollen aufgeschlossen ist. Dann 1-2 Teelöffel vor der Mahlzeit essen.
  • Problemstellungen
    • Chemischer Pflanzenschutz: Spitzmaßnahmen in blühende Kulturen, intensiver Obstanbau, Rapsblüte
    • DeBiMo: die am häufigsten gemessenen Spritzmittelrückstände stammen aus Mitteln für Raps, Gegenmaßnahme ist Einsatz von Dropleg-Düsen
    • Honigqualität im Stadtbereich völlig unkritisch, Pollen im Stadtbereich aufgrund von Feinstäuben eher kritischer zu sehen
    • Pollensterile Pflanzen
    • Kleistogamer Raps
    • Gentechnik (Mais, Raps, etc.)
    • Pyrrolizidinalkaloide

Propolis

Rohstoff für die Propolis: Harziger Überzug auf Baumknospen von Pappel, Rosskastanie, Fichte, Lärche, der die Knospen vor Austrockung und Krankheitsbefall schützen soll.

  • Pappel wichtig, z.B. Balsam-Pappel
  • Transport durch höseln
  • Einlagerung schwerpunktmäßig nach Sommersonnenwende, um den Stock für den Winter vorzubereiten
  • Angelagert an Ritzen u. ä. bis 3mm, ab 5mm nur noch Wachs
  • Wachsanteile immer in Propolis enthalten
  • Angebotene Ritzen/Gitter provozieren die Bienen zum Verkitten
  • Sammeln
    • Abkratzen von Rähmchen
    • Verpacken in Gläser um Verlust von Ätherischen Ölen zu vermeiden
    • Spezielle Gitter mit enger Seite zum Volk auflegen
  • Inhaltsstoffe: 50-55% Harz und Balsam, 30% Wachs, 8-10% ätherische Öle und sehr viele weitere Stoffe
  • Flavonoide haben antibiotische Wirkung
  • Bienen mischen eigene Sekrete zu
  • Bestandteile immer unterschiedlich, was die Nutzung als standardisiertes Medikament schwierig macht.
  • Aus Volksmedizin offenbar hilfreich bei Halsschmerzen oder Mandelentzündung

Propolisgitter