Veranstaltet von der Volkshochschule Marbach und dem Bienenzüchterverein Marbach hielt Professor Dr. Hermann Ehmer im historischen Schlosskeller seinen Vortrag über Magister Andreas Picus (1543-1609).

  • Prof. Dr. Ehmer arbeitete an Ortsgeschichte von Beilstein, als ihm ein Brief aus der Markt Brandenburg an Pfarramt in die Hände fiel. Es handelte sich um eine Anfrage von 1892 nach dem Bienenpfarrer, der rund 300 Jahre früher hier gewirkt hat und ein Büchlein über Bienen verfasst hatte.
  • Ehmer forscht nach dem Buch und findet es in einer Bibliothek in Paris und in der Bamberger Staatsbibliothek. Von dort erhält er eine Kopie des „Tractetlein von dem Ihmen“

MagisterPicus1

  • Andreas Picus: 1543 geboren, in Tübingen studiert und als Lehrer an Klosterschule Blaubeuren tätig, dann Pfarrer in Birkenfeld, 1573 als Pfarrer nach Beilstein gekommen und 35 Jahre dort tätig.
  • Protokolle der Visitationen sind noch erhalten, anfangs hatte er Streit mit dem Vogt und die Gemeinde nicht mit ihm zufrieden. Die Klagen ließen aber nach und er wurde zunehmend akzeptiert.
  • Nebenbeschäftigungen von Pfarrern waren damals kaum bekannt, später wurde zur Versorgung Vielfältiges unternommen, unter anderem auch Bienenzucht betrieben, die sonst nur in Klöstern nachweislich betrieben wurde.
  • Picus ist einer der ganz wenigen Pfarrern der damaligen Zeit, von dem eine Nebentätigkeit bekannt ist.
  • Erster Druck des Büchleins erfolgte 1592, ein einziges Exemplar der Erstausgabe ist in der Nationalbibliothek in Wien erhalten.
  • Im Titel wurde die Benennung „Immen“ bei späteren Nachdrucken in „Bienen“ verändert. Damit ist auch die Verbreitung außerhalb Württembergs erkennbar.
  • Grabmal in der Magdalenenkirche in Beilstein zeigt humanistische Bildung von Picus, auch Büchlein folgt der humanistischen Lehre guter Rede von Einführung bis Usus – dem Nutzen.
  • Schon in „Georgica“, einem Gedicht über den Landbau, führt Vergil (70 vChr.-19 n.Chr.) die Bienenzucht als einen von ingesamt 4 Bereichen der Landwirtschaft auf, Picus bezieht sich auf das Vorbild von Vergil.
  • Apisstier der antiken Literatur und Apis der Biene
  • Damaliger Wissensstand: 3 Arten der Bienen, der König, Arbeitsbienen, Drohnen
  • Picus beschreibt das Schwärmen als Auszug der Hofstaats mit seinem König. Lärm sollte das verhindern können. Das Einfangen des Schwarms wird ausführlich beschrieben. Picus empfiehlt dabei die Verwendung von Handschuhen und rät zur Vermeiden von schlechten Gerüchen.
  • Behandlung von Stichen solle mit frischer Erde, Honig oder dem eigenen Urin erfolgen.
  • Gewinnung von Honig und Wachs und deren Verwendung ist ebenso wesentlicher Teil der Ausführungen.
  • Verwendung von Wachs für Pflaster, Siegelwachs, Schiffsabdichtung aber natürlich auch Kerzen und Fackeln.
  • Büchlein war über rund 150 Jahre ein Standardwerk zum Thema Bienenzucht, es wurde bei späteren Drucken nachgebessert und aktualisiert. Da es sich um normale Haushaltsliteratur handelte, sind nur ganz wenige Exemplare erhalten. Insgesamt geht Prof. Ehmer von 11 verschiedenen Ausgaben aus.

Prof Ehmer hat sich mit Unterbrechungen nun rund 32 Jahren mit der Suche nach Informationen zu Picus verbracht

Prinzipien und Grundsätze des Imkerns werden noch heute in gleicher Weise befolgt. Dieses Wissen war in Mitteleuropa nach dem dreißigjährigen Krieg in Vergessenheit geraten. Noch heute werden immer neue Erkenntnisse über die Honigbiene durch Forschung gewonnen. Das angeblich so gut erforschte Tier bietet eine sehr lange Tradition und Erfahrung, aber auch immer wieder Neues und Überraschendes.