Auch in diesem Jahr war der Weissacher Imkertag des Regierungspräsidiums Stuttgart wieder ein Fixum im Imkerkalender. Starkes Schneetreiben und eine neue Parkplatzsituation haben den morgentlichen Start etwas komplizierter gemacht, aber es hat sich in jedem Fall wieder gelohnt nach Weissach-Flacht zu kommen.

44. Weissacher Imkertag, 19. April 2017

Ursachen des Bienensterbens

Prof. Dr. Friedrich Hainbuch, Associated Professor an der Universität Oradea/Rumänien

  • Ankündigung von Dr. Mezger: Kernaussagen von Hainbuch, dass Bienensterben multifaktoriell ist, Umgang mit der Ressource Natur muss überdacht werden
  • Erster Teil des Vortrags im Wesentlichen Eigenwerbung für Aktivitäten und Bücher
  • Kritik an Fälschung von Studien und Fehlinterpretationen
  • Einflüsse auf Bienensterben recht zusammenhanglos und meist ohne detaillierte Begründung dargestellt: Spritzmittel (Beispiele u.a. Glyphosat und Basta), Industrieabgase, Strahlung von Mobilfunkmasten, Stromversorgung durch Überlandleitungen, Verklappung von holländischer Gülle in Deutschland, Industrialisierung der Landwirtschaft
  • Empfehlung kleineres Zellmaß zur Unterstützung der Bienen gegen Varroa (ursprünglicheres Maß und in USA aktuelle Untersuchungsergebnisse, die die Vorzüge des kleineren Zellmaßes stützen)
  • Empfehlung Dunkle Biene (ursprünglich hier beheimatet und daher besser für Klima usw. geeignet)

 

Natürliche Selektion und Varroatoleranz, Lehren für die Imkerpraxis

Dr. rer. nat. Peter Rosenkranz, Leiter der Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim

  • Resistenz: Wirt kann verhindern, dass Parasit sich etablieren kann
  • Toleranz: Wirt kann mit dem Parasit leben
  • Schadenschwelle bei ca. 10%, danach Zusammenbruch des Volkes ziemlich wahrscheinlich, Hintergrund sind meist Sekundärschädigung durch Viren u.a.
  • Toleranz daher erforderlich für Varroa und Sekundärinfektionen
  • Verdopplung der Varroapopulation ca. alle 3-4 Wochen (exponentielle Vermehrung)
  • Starker Befall während der Phase der Produktion der Winterbienen bedeuten hohes Risiko für Überwinterung
  • Östliche Honigbiene: Toleranzfaktoren sind Hygieneverhalten, Putzverhalten zwischen Bienen, Fortpflanzung nur in Drohnenbrut
  • Bei östlicher Biene sterben befallene Puppen ab, Vermehrung ist daher gehemmt (aktuelle Forschungsergebnis)
  • Varroa Toleranz hauptsächlich im Bereich der Tropen, dort auch stabile Population von wild lebenden Bienen
  • Afrikanisierte Biene in Südamerika (seit ca. 1956) ist toleranter, aber der Umgang beim Imkern ist schwieriger
  • Faktoren?, Viele kleine Toleranzfaktoren: Fortpflanzung in Arbeiterinnenbrut reduziert, stärkeres Schwärmen, u.a.
  • Varroatoleranz in Europa: Gotland-Bienen „Bond-Test“ => „Leben und sterben lassen…“
    • Südteil von Gotland: 150 Völker diverser Arten, 12 Bienenstände, kaum Eingriffe (nur füttern bei Bedarf, schwärmen lassen)
    • Fast 80% Verluste nach 3 Jahren, nach weiteren 4 Jahren jedoch Bestand stabilisiert
    • Widerstandsfähigkeit bei Versuchen durch Hohenheim bestätigt
    • Völker haben viel Brut erzeugt, waren mit lediglich rund 20.000 Bienen relativ schwach für Wirtschaftsvolk, starke Brutentwicklung bedeutet absolut geringere Milbenzahl
    • Natürliche Selektion bringt nicht wirtschaftlich optimale Ergebnisse
  • Versuche von Tom Seeley in USA
    • Faktoren: keine Behandlung, Einzelaufstellung, kleinere Völker (kleine Kästen), keine Wanderung
  • Gezielte Selektion über Toleranzmerkmale?
  • VSH Zuchtlinie aus USA
    • Selektionsmerkmal: Prozentsatz an Brutzellen ohne Varroa-Reproduktion
    • Putzverhalten und Vermehrung wird erfasst
    • Praktische Umsetzung in Forschung sehr aufwändig, erste Planungsansätze von Hohenheim
    • Kontrollierte Bedingungen für Überlebenstest, daher eigene Selektion des Imkers wird Ziel nicht erreichen
  • Ricola-Projekt
    • Forschung mit nachweislich toleranten Bienen (Südfrankreich, Gotland, Norwegen), Beteiligung von Hohenheim
  • Fazit: es gibt tolerante Bienen, Basis natürliche Selektion, Toleranzfaktoren nicht eindeutig, kleinere Völker und keine Massierung

 

Fachberatung Imkerei, Rückblick 2016 – Ausblick 2017

Thomas Kustermann, Regierungspräsidium Stuttgart

  • Völkerzahl leicht ansteigend, Altersstruktur stabil, Frauenanteil auf 20% gestiegen
  • 2016: Auswinterung gut, Honigertrag mittel
  • 2017: Auswinterung mittel
  • Einsatz von Baurahmen und richtiger Umgang wiederholt erläutert, Baurahmen auch Indikator für Gesundheit/ Stärke des Volkes, früh Einhängen und bis Juni weiterführen
  • Gemülldiagnose im Februar als Basis für Strategie und Erfolgskontrolle durchführen
  • Oxalsäure 5,7%, Sprühlösung ist länger haltbar als Träufellösung
  • Sprühbehandlung mit Milchsäure muss nicht ins Medikamentenbuch eingetragen werden, Oxalsäure im Sprühverfahren muss aufgrund der Apothekenpflicht wie OS bisher eingetragen werden
  • Wachs
    • Bezeichnung „100% reines Bienenwachs“ ist keine Garantie => garantiert unverfälscht wäre klarere Aussage
    • Ideal wäre es, nur Entdeckelungswachs und Baurahmenwachs zu verwenden
    • Eigenes Kreislauf aber generell besser als Mischung mit Zukauf
    • Umarbeitung: Rückstellprobe grundsätzlich empfohlen
  • Appell: jeder sollte seinen eigenen Weg finden, verschiedene Methoden oder Herangehensweisen sollten toleriert werden

 

Die biologisch-dynamische Imkerei

David Gerstmaier, Imkerei Summtgart GbR, Institut Summtgart gemeinnützige GmbH

  • Biologisch dynamische Imkerei, Demeter Imkerei
  • Hauptsächlich in Stuttgart, aber auch Wanderung zu Kirschblüte, Kastanien und in den Schwarzwald
  • Grundhaltung: Die Beziehung von Mensch und Umwelt im Fokus
  • Aber: Honigerzeuger und nicht nur Bienenbeobachter
  • Pro Biene: Programme mit Kindern und bis zu Senioren
  • Demeter: Erst seit rund 30 Jahren Richtlinien für Bienenhaltung
  • Biene, Volk => der Bien
  • Population der Bienen => Bewusstsein, dass es nicht nur um einzelne Völker geht. Aufgabe von sehr stark mit Varroa befallenen Völkern kann vor andere schützen.
  • Vermehrung über Schwarmtrieb, Schwarm vorwegnehmen, ca. 2-3 Tage vor der Verdeckelung der Weiselzelle, weniger Milbenbelastung für den vorweggenommen Schwarm
  • Schwarm bedeutet auch Reinigung für den schwärmenden Teil des Volkes (Milben, Rückstände im Wachs, etc.)
  • Betriebsweise mit 1,5 Zander, 1 Brutraum, Naturwabenbau für Brutraum, Mittelwände für Honigraum
  • Bei Schwarm 2-3 leere Rähmchen mit Wachsstreifen, Führung mit Schied
  • Meistens wird auf das Ausschneiden von Drohnenbrut verzichtet (wichtig für Begattung und ethischer Ansatz)
  • Eigene Königinnen „in das Volk hinein geboren“
  • Kein Einsatz von Absperrgitter, nur selten Brut im Honigraum
  • Kein Umhängen von Waben im Brutnest
  • Jeder Imker sollte anständigen Preis für Honig und Wachs verlangen, Verständnis für Qualität und Bereitschaft mehr Geld auszugeben steigt
  • Wenn eine gute Beziehung zu den Bienen geschaffen werden kann, entwickeln sich Bienen gut.
  • 05.2017 Bienentag, Güterstraße Stuttgart
  • unsere-honigbiene.de, Crowdfunding für Kinderbuch

 

Imkern im angepassten Brutraum – mehr Bienen, mehr Honig, weniger Schwärme, weniger Aufwand

Jürgen Binder, Imkermeister, HonigManufaktur Binder, Biolandimkerei

  • „Liebig-Schüler“, Ausgebildet in Hohenheim
  • 2002: Verlust von 300/350 Völkern => immer über mögliche Verbesserungen informieren ist eminent wichtig, es ist wichtig über den Tellerrand zu schauen
  • Hinweise auf Imkermeister Hans Bär und Buch von Ferdinand Gerstung: Der Bien und seine Zucht
  • Der einräumige, ungeteilte Brutraum erfüllt das Bedürfnis nach einem kompakten Körper am besten
  • Überwinterung auf 6-7 Waben Dadant oder 9-10 Waben Zander
  • Volle Legeleistung der Königin: 7 Waben Zander, 9 Waben Deutsch Normal
  • Zuviel Pollen und an der falschen Stelle behindert die Frühjahrsentwicklung
  • Keine Mittelwände direkt ins Brutnest hängen
  • Isoliertes Schied zur Begrenzung des Brutraums auf den benötigten Platz benutzen
  • Auf Bee Space achten (unter 6mm Propolisierung, über 9mm Wachsbrücken)
  • Ansatz zu Schwarmtrieb: Durch mehr Platz und höhere Anzahl der Individuen kann die Königin mit ihrer Feromonleistung das Volk nicht mehr halten/regieren => das Volk schwärmt
  • „Die Wärme ist das Lebenselixier des Bien“
  • Empfehlungen: isolierte Schiede, Boden zu, Bee Space über den Oberträgern (Problem bei Folie), 15.07. Kunstschwarmableger, 20.07. AS-Behandlung, Auffüttern dünnflüssig, Einfüttern dickflüssig, 25kg Winterfutter drin = 30kg füttern
  • Im Winter wird der Brutraum auf die Bienenmasse angepasst, im Sommer auf die Brutmasse
  • Drohnenschneiden erfolgt nicht, da Volk diese Drohnen benötigt und sofort wieder produzieren würde