Kategorie: BIENEN-BLOG
Württembergischer Imkertag 2018 in Aalen-Unterkochen

Für die Teilnahme am ganzen Imkertag war keine Zeit, aber der Vortrag von Prof. Dr. Menzel hat mich sehr interessiert. Sonntags also Ausflug nach Unterkochen:

Wie Neonicotinoinde das Verhalten von Bienen stören
Prof. Dr. Dr. h.c. Randolf Menzel
- neurobiologie.fu-berlin.de
- Menzel: 50 Jahre im Bereich des Gehirns der Bienen geforscht
- Verhalten der Bienen ist intelligent und durch Einflüsse gefährdet, insbesondere das Auffinden der nektartragenden Pflanzen => Nahrungsmarkt ist kompliziert
- Höhen haben hohen Lernbedarf und muss ausgeprägtes Gedächtnis für Ziele und Heimweg zum Stock haben
- 1 Liter Honig = 170.000 km = 6 Mio. Blüten = 6 Mio. Entscheidungen mit einem sehr kleinen Gehirn (so groß wie ein Sandkorn, 1 Mio. Nervenzellen, aber perfekt verschaltet)
- Schwänzeltanz als symbolhafte Kommunikation ist einmalig im Tierreich, nur der Mensch ist in der Lage ähnlich zu kommunizieren
- Gehirnstruktur und Leistung ähnlich wie Vorderhirn beim Menschen
- Ziel der Entwicklung von Neonicotinoiden war es, Insekten gezielt durch Ausschalten des Gehirns zu töten (Entwicklung japanischer Forscher)
- Triacloprid wird immer häufiger in Honig nachgewiesen
- EFSA (European Food Safety Authority) zuständig
- 80% der Neonicotinoiden kommt in den Boden und verschlechtert die Bodenqualität, es gerät so auch in Grundwasser und Flüsse
- Biomasse flugfähiger Insekten geht massiv zurück (Krefelder Studie)
- In rund 20 Jahren hat sich die Anzahl der gegen Neonicotinoide resistenten Schadinsekten hat sich von 1 auf 20 erhöht
- Triacloprid kommt mit ca 90 ng/g in Pflanzen vor
- Neonicotinoide schädigen die Verbindung von Nervenzellen im Gehirn und führen zum Absterben der Zellen, sie können nicht nachgebildet werden
- Lernen und Erinnerungstest zeigt, dass Neonicotinoide das lernen stören bzw. die Erinnerung negativ beeinflussen
- Freilanduntersuchung mit Radar und Transpondern auf Bienen (siehe Film More than Honey) dienen zu Erforschung des Landschaftsgedächtnisses
- Beim Sammelflug nutzt Biene zuerst ihr Routengedächtnis. Wird sie an andere Stelle versetzt, nutzt sie ihr Landschaftsgedächtnis und findet zum Stock zurück
- Nachweis erbracht, dass Triacloprid das Heimfindevermögen stört und die Häufigkeit von Schwänzeltänzen reduziert
- Bayer Calypso: Angabe B4 nicht bienengefährlich, da diese Eingruppierung nur auf dem Töten basiert, Bienen werden aber massiv in ihrer Orientierung gestört
- Glyphosat schädigt Navigation auch massiv, da ein Abbauprodukt einen Gehirnrezeptor schädigt
- Untersuchungen wurden mit Einzelwirkstoffen durchgeführt, eingesetzte Spritzmittel sind aber Cocktails mit potenzierten Wirkungen
- Was steckt wirklich hinter dem Verlust von Völkern? Einfluss von Neonicotinoiden wahrscheinlich höher als bemerkt, da zum Beispiel Varroen gezählt werden können und Neonicotinoide nicht
- Fragen/Antworten nach dem Vortrag
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- Schädigung des Menschen? In Japan wurden bei Reisbauern starke Hautschädigungen und eine reversible Art von Parkinson gefunden. In Frankreich ist Parkinson als Berufskrankheit anerkannt. Bei länger chronischer Aufnahme gibt es wahrscheinlich keine Schwellwerte (Korrelation gefunden).
- Studie in Frankreich: Bei normaler Fruchtfolge ist der Nutzen bei 80% der Landwirte nicht wirklich gegeben, nur im Bereich der Energiepflanzen erscheint ein Nutzen nachweisbar.
- Neonicotinoide sollten als Reserve im Fall von massiven Schaden durch Schadinsekten einsetzbar sein, nicht aber weiterhin in zu hohen Dosen als Standardbehandlung.
- Proben von Geschädigten Bienen müssen dunkel und eingefroren gelagert werden. Kühlkette wichtig, da das Sonnenlicht und Wärme Neonicotinoide abbaut.
- Hinweis auf massive Schäden in Indien beim Reisanbau mit Glyphosateinsatz.

Gesund, schlank und fit mit Honig – Honigirrtümern auf der Spur
Renate Frank
- Heutzutage wird zu wenig und nicht regelmäßig genug Honig gegessen, siehe u.a. Low Carb
- Ohne Energie läuft nichts im Körper!
- Für den Energiegewinn muss entweder Fett oder Zucker verbrannt werden
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- An Fett kommt der Körper nur langsam, es dient als Energiespeicher
- Häufig braucht man schnell Energie, es kann also nicht auf das Fett gewartet werden
- Kohlehydratarmut führt zu reduzierter Leistungsfähigkeit
- Gehirn wird nur über Traubenzucker ernährt und kann nichts speichern, es braucht also permanent Zucker (2/3 der Zuckermenge aus dem Blutkreislauf)
- Ohne Kohlehydrate geht es nicht, aber verschiedene Kohlehydrate wirken unterschiedlich
- Nicht geeignet als Energiespendern: Schokolade, Marmelade, Kekse, Kuchen, sie enthalten kein oder kaum Chrom als Spurenelement, Insulin als Schlüssel in die Zelle erforderlich
- Honig: >30 verschiedene Zuckerarten und Spurenelemente Chrom
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- Zucker aus Honig wird doppelt so schnell aufgenommen als Traubenzucker z.B. aus Haushaltszucker, Blütenhonig enthält 1.000x mehr Chrom als Haushaltszucker
- Zusätzlich enthält Honig B-Vitamine, sie bestimmen die Energiemengen, die aus dem Zucker entstehen können
- Die Nerven verbrauchen am meisten Energie, bei Stress wird also mehr Energie und B-Vitamine benötigt (Stress, Nervosität, Schlafmangel, Diabetes, etc.)
- B-Vitamine aus Medikamenten müssen durch Enzyme im Darm umgewandelt werden, mit Honig erhält der Körper im Gegensatz dazu immer genau die richtige Menge B-Vitamine zum Zucker
- Frühstück am besten mit Kohlehydraten
- Acetylcholin ist wichtiger Botenstoff für Gedächtnis und Konzentration, Eiweiß Cholin ist im Honig enthalten, Cholin wird als vitaminähnliche Substanz eingeordnet
- Ein kohlenhydratreiches Frühstück (Cholin, Kohlenhydrate, Energie) mit Honig erhöht das Denkvermögen
- Honig zum Frühstück oder als Zwischenmahlzeit ideal
- Körperzellen werden ständig ab und wieder aufgebaut = Regeneration, dazu werden Eiweißbausteine benötigt
- Für den Aufbau werden 20 verschiedene Aminosäuren benötigt, beim Fehlen einzelner ist der Prozess gefährdet und man wird anfälliger für Krankheiten
- Honig enthält alle 20 Eiweißbausteine und kann daher zum Ausgleich anderer Lebensmittel, Beispiel Brot + Honig
- Wenn nach mehreren Stunden der Blutzuckerspiegel sinkt, wird Energie aus der Leber entzogen, bei sinkenden Zuckerreserven in der Leber werden Stresshormone ausgeschüttet (Unterzuckerung führt zu metabolischen Stress), Folgen sind Leberkrankheiten, Diabetes und Übergewicht, Cholin im Honig hilft der Leber bei Erkrankungen
- Der beste Schutz für die Leber ist eine intakte Darmflora (ideal sind 40% Bifidusbakterien), Blütenhonige sind besonders gut für den Darm
- Die häufigste Mangelkrankheiten weltweit ist Eisenmangel (Müdigkeit, Blutarmut, Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche, etc.), Honig enthält Eisen zusammen mit Vitamin C und pflanzliche Farbstoffe, Vitamin C und die Flavonoide sind zur Aufnahme von Eisen erforderlich
- Honigfarbstoffe schützen Vitamin C vor Zerfall und erhöhen die Wirksamkeit
- Schlafstörungen können auf Melatoninmangel zurück zu führen sein, Baustein Tryptphan, ideale Spätmahlzeit ist warme Milch mit Honig
- Honig ist ein gutes Anti-Aging-Mittel, Honig enthält viele wichtige Stoffe die gemeinsam wirken in einem ausgewogenen Verhältnis
- Fragen/Antworten nach dem Vortrag
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- Ideale Menge pro Tag ca. 2 Esslöffel Honig
- Rapshonig gut bei Erkältungen, Mischhonig gut für Darm, dunkle Honige mehr Eisen/Mineralstoffe und gut für Wundbehandlung
- Einzige Gruppe an Menschen, die Honig nicht verträgt, sind Personen mit Fruchtzuckerunverträglichkeit
- Manukahonig ist für Wundbehandlung als Medikament zugelassen (Wundbehandlung, Medihonig), Wirkung ist aber auch bei europäischen Honig genauso gut (z.B. Buchweizenhonig sogar besser), zur Ernährung ist europäischer Honig genauso gut
- Diabetiker: 2 EL Honig pro Tag in Verbindung mit anderen Lebensmitteln in Ordnung
Neben Vorträgen und Workshops gab es auch eine Messe in und vor der Sporthalle, im Foyer war eine „Bienenvoliere“ aufgebaut.
Hönigräume – lieber zu früh, als zu spät

Mehrere sehr starke Völker hatten schon vor einer Woche einen 1/2-Zargen-Honigraum erhalten, damit sie etwas mehr Platz haben und schon mal mit dem Ausbauen der Waben beginnen können.
Ein Volk hat in einer Woche diesen Honigraum schon zu etwa 50% mit Wabenwerk ausgebaut und schon etwa 30% Nektar eingetragen. Aufgrund dieser Entwicklung und der nun massiven Zunahme der Blüten bei Obstbäumen und Co. haben nun fast alle Völker einen Honigraum erhalten.
Lieber zu früh, als zu spät …



Nicht nur Insekten und Bienen, sondern auch #SchäfereiRetten

Sven de Vries @schafzwitschern | #SchäfereiRetten
DeBiMo, Baurahmen und Tagpfauenaugen

Beim Frühjahrsbesuch zur Datenerhebung und Probennahme sollte der erste Brutsatz noch nicht geschlüpft sein. Das hat gepasst und das Wetter auch. Strahlender Sonnenschein und herrliches Bienenflugwetter gestalteten den Besuch an den Bienenständen angenehm. Die Bienen waren sehr mit sich beschäftigt und so war es ein entspanntes Arbeiten mit vergleichsweise wenig Rauch. Auch das manchmal sehr launische Basisvolk am Lerchenberg war sehr gechillt.

Die Aufgabe dieses Besuchs war unter anderem die Aufnahme der Volksstärken und der Brutmenge. Die 10 Völker im Monitoring sind teilweise recht unterschiedlich. Sie haben zwischen ca. 2.500 und 10.000 Bienen, wobei die vermeindlich schwächeren Völker teilweise viel Brut haben und in nächster Zeit sicher aufholen werden. Von jedem Monitoringvolk wurden ca. 50 Bienen mitgenommen. Diese Bienen werden auf Nosema und Tracheenmilben untersucht.

Später am Tag haben dann alle Bottwarbienenvölker noch einen Baurahmen erhalten. Dieses leere Rähmchen an Position 2 dient dazu, von den Bienen ohne Mittelwand ausgebaut zu werden. Durch diese Methode konzentriert sich auf diesem Rähmchen die Drohnenbrut, da sie etwas größere Zellen benötigt als das Raster der Mittelwände. Da Varroamilben sich in Drohnenbrut stärker entwickeln, dienen diese Brutrahmen als Milbenfalle. D.h. die Drohnenbrut wird im verdeckelten Zustand ausgeschnitten um die Varrroabelastung in den Bienenvölkern zu reduzieren.
Die stärksten Völker sind garnicht im Monitoring. Drei der Völker am Standort in Oberstenfeld sind enorm starkt und haben sehr viel Brut. Diese Völker werden in nächster Zeit förmlich explodieren (Zeitraum „verdeckelte Brut“ = 12 Tage) und bekommen daher schon jetzt die erste Halbzarge als Honigraum. So haben sie mehr Platz und sind schon mal mit Wabenbau beschäftigt bis es mit der Tracht losgeht.
Erst vor ein paar Tagen habe ich beim Weissacher Imkertag den Vortrag von Lea Kretschmer zum Insektensterben gehört. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass sich vieles nachteilig verändert und dass die Erhaltung der Biodiversität essentiell ist. Für einen kleinen Moment an diesem Mittag schien die Welt aber besser zu sein als gedacht. Mehrere Tagpfauenaugen flogen zwischen den Bienen herum und versorgten sich an den Schlehenbüschen mit Nahrung. Ein kurzer Moment von heilerer Welt.

45. Weissacher Imkertag 2018 des Regierungspräsidiums Stuttgart

Wie immer am Mittwoch nach Ostern trafen sich viele Vertreter aus dem Regierungspräsidium, anderen Behörden, den Imkerverbänden und Vereinen aber natürlich auch viele Imker in der Strudelbachhalle in Weissach-Flacht.
Die besten Beiträge waren dieses Jahr aus meiner Sicht die differenzierte Betrachtung zum Thema Insektensterben von Lea Kretschmer, der Ansatz von Markus Schwarz zur Völkerteilung und der klassische Statusbericht aus Hohenheim von Dr. Peter Rosenkranz.
Nachfolgend ein paar Notizen zu den Vorträgen.

„Ziele und Maßnahmen des Sonderprogramms des Landes zur Stärkung der biologischen Vielfalt“, Dr. Gerhard Schaber-Schoor Leiter Koordinierungsstelle Biodiversität und Landnutzung MLR
- Mediales Echo: 2017 das Jahr des Insektensterbens?, 75% Rückgang in Deutschland, Ein ökologisches Armageddon?, Warum kleben keine Insekten mehr auf der Windschutzscheibe?, Beispiel Buch von Rachel Carson – Silent Spring
- Zusammenfassung: Vielfalt und Menge der Insekten geht zurück
- Zwischenbilanz: Maßnahmen im Rahmen der Naturschutzstrategie noch nicht ausreichend für Erhaltung der Biodiversität, Blick soll von Schutzgebieten auf die „Normallandschaft“ gerichtet werden, es braucht mehr Kooperation, alle müssen an einem Strang ziehen
- Es braucht ein Mehr von: konkrete Maßnahmen auf der Fläche, Beratung vor Ort bei der Umsetzung, Grundlagen hinsichtlich Umfang und Ausmaß
- Sonderprogramm des Landes zur Stärkung der Biologischen Vielfalt (vom Ministerrat am 21.11.2017 beschlossen)
- Laufzeit 2018-2019
- 30 Mio. € zusätzlich für Fachgrundlagen und Maßnahmen auf der Fläche
- Weitere 6 Mio. € für Monitoringaufgaben
- Wissenschaftliche Begleitung durch Fachgremium externer Sachverständiger
- Umweltministerium, Ministerium für Ländlicher Raum und Verkehrsministerium arbeiten zusammen
- Maßnahmen: Erhaltungsmassnahmen u.ä. in Natura2000-Gebieten, Veratärkter Moorschutz, Qualitätssicherung der Naturschutzgebiete, Modellregion für Biotopschutz, Insektenmonitoring, Brutvögelmonitoring, etc., Aufwertung von Strassenbegleitgrün, Erhöhung der Biodiversität durch Wiedervernetzung von Lebensräumen (Querungshilfen, Amphibienschutzanlagen, etc.), FAKT-Projekte z.B. Brachebegrünung mit Blühmischungen erweitert, Regenerative Landwirtschaft und Biodiversitätsberatung, Reduktion von Pflanzenschutzmitteln (durch präzisere Ausbringung), Förderung von Nutzung von Lebensmitteln aus biologischem und extensivem Anbau
- Blühende Naturparke: Leitfaden, Blühmischungen, finanzielle Förderung
- Was wurde bisher veranlasst: Erste Maßnahmen begonnen, Fach- und Begleitgremien gebildet, erste Zwischenergebnis zu einzelnen Maßnahmen für Herbst 2018 erwartet, 2019 dann verstärkt Berichte etc., Fortführung nach 2019 wahrscheinlich
„Varroabekämpfung: Aktuelle Situation und Beurteilung neu zugelassener Mittel“, Dr. Peter Rosenkranz Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim
- Varroa weiterhin Hauptursache für Winterverluste
- Darwinistische Bienenhaltung nach Tom Seeley
- Forderung #6 war Verzicht auf Behandlung gegen Varroa
- Aber: Ricola-Projekt zeigt, dass das nicht funktionieren wird, nach 1 1/2 Jahren hat keines der 40 Völker in Hohenheim überlebt
- Problem bei Selektion auch die hohe Bienendichte in unserer Region
- Bekämpfung zwingend erforderlich, Konzept funktioniert und wird in Details weiterentwickelt
- Verbesserung für 2. AS-Behandlung?
- Neuzulassung Oxuvar 5,7%
- Selbst mischen als Sprühbehandlung im Sommer und Träufelbehandlung im Winter
- Sperren der Königin zur Brutfreiheit (Juli) und Sprühbehandlung (August), erfolgreicher als Kontrollbehandlung mit Bayvarol, mittlerer Wirkungsgrad 85% und damit für Aufwand etwas zu wenig Nutzen
- Vergleichsbehandlung mit AS-Verdunster war erfolgreicher
- Varromed
- Ähnlich wie früher „Bienenwohl“
- Enthält OX, AS und ätherische Öle
- Behandlung während Saison zugelassen
- Feldversuch: 5x Varromed-Behandlung ab Mitte August mit Träufeln, bei einigen Völkern dann noch Notbehandlung mit AS erforderlich, dann 2x OX
- Varromed ist damit nicht für die 1. AS-Behandlung sinnvoll
- Weiterer Versuch ab Mitte September war erfolgreicher
- Bessere Wirkung bei schwächeren Völkern mit weniger Brut, daher eher für 2. AS-Behandlung geeignet
- Weitere Feldversuche sind geplant
- Lithiumchlorid
- Verwunderung über mediales Echo, zeigt aber den massiven Bedarf an neuen Entwicklung im Bereich von Varroabekämpfung
- Lithium wirkt systemisch über das Bienenblut
- Milben sterben ab 10mM innerhalb von 2-3 Tagen zu 97-100%
- Bei Dauerfütterung moderate Verkürzung der Lebenszeit der Bienen
- Bienenbrut reagiert aber empfindlich
- 95% Wirksamkeit bei Kunstschwärmen (d.h. brutfreies Volk)
- Weitere Untersuchungen erforderlich, aber Entwicklung zum Medikament nur mit Unterstützung von Unternehmern möglich (3-5 Mio. € und ca. 5 Jahre Zeit)
- Weiteres Vorgehen noch unklar
- Neuzulassung Oxuvar 5,7%
- Weiterhin Hohenheimer Konzept empfohlen!
„Insektensterben – Begriffserklärung, Hintergrundwissen und Fakten“, M.Sc.Agr. Lea Kretschmer ehemalige Mitarbeiterin der Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim

- Bienen- versus Insektensterben?
- Bienenvölker in Deutschland von 1991 bis 2007 deutlich gesunken, seither steigen die Völkerzahlen wieder
- Südeuropa und weltweit steigend seit ca. 1960, in Europa gesamt aber gesunken
- Seit Oktober 2017 wird von Insektensterben gesprochen
- Insekten sind die Gruppe mit der größten Artenzahl in Deutschland
- Langes Insektensterben lässt sich nicht mit Kurzfristmassnahmen beheben
- Krefelder Studie: 75% Verlust in 27 Jahren der Biomasse der fliegenden Insektenin geschützten Gebieten, 18.10.2017
- 1989-2016, 63 Standorte wurden beprobt mit Malaisfallen, parallel Pflanzen und Wetter dokumentiert, Schwerpunkt der Standorte in Krefeld
- Abnahme der Biomasse über die Jahre
- Beprobungen in der Anzahl über die Jahre sehr unterschiedlich über die Jahre
- Ergebnisse der verschiedenen Standorte sehr unterschiedlich
- Biomasse hat definitiv abgenommen, zur Ermittlung der Ursachen wurden erhobene Umgebungsdaten ausgewertet, Ökosysteme sehr komplex und Ursachen häufig nicht zu ermitteln
- Welche Insekten sind betroffen und warum?
- Rothamsted insect survey
- Über ganz UK
- Detailliertere Auswertung über 30 Jahre
- Signifikanter Rückgang nur an einem Standort, Gründe nicht geklärt, andere Standorte gingen nicht zurück, waren aber schon auf niedrigerem Niveau
- Rote Listen
- Fast 50% der Insekten sind bestandsgefährdet oder ausgestorben
- Viele Ursachen und nicht die eine (einfache) Antwort
- Möglichkeiten der Gegensteuerung
- Blühstreifen
- Das eigene Konsumverhalten hinterfragen
- Sensibilisierung der Mitmenschen
- Wir brauchen langen Atem
- Verantwortung der Imker
- Schutz von „umbrella species“ hilft auch weiteren Arten
- Wir müssen wissen, was wir wissen und was wir nicht wissen
- Offener Umgang mit der Landwirtschaft
- Mehrjährige Kulturen bevorzugen
„Fachberatung Imkerei 2017 – Ausblick 2018“, Thomas Kustermann Regierungspräsidium Stuttgart
- Vortrag ist entfallen
„Spannungsfeld: Pflanzenschutzmittel und Imkerei“, Alexander Weissbarth Imker und Mitarbeiter im Obstbau Beratungsdienst Hohenlohe-Neckar e.V.
- Was ist Pflanzenschutz?, nicht nur Chemie, sondern auch Netze gegen Hagel, Sonnenbrand o.ä.
- Geeigneter Standort für geeignete Sorte
- Pflanzenschutz erfolgt heute nicht mehr ziel- und planlos
- Mulchen häufig zum Bienenschutz vor Insektiziteinsatz
- „Grundschlechtes Gewissens?“
- Einseitige Berichterstattung der NGOs?
- Berichterstattung sollte kritisch hinterfragt werden
- Derzeitiger Lebensstandard nicht ohne Pflanzenschutz möglich
- Kommunikation und Zusammenarbeit wichtig
- Häufig Diskussion emotional und nicht faktenbasiert
- Bezug zwischen Landwirt und Verbraucher hat nachgelassen
- zu wenig Information erzeugt Misstrauen
- Kaufverhalten steuert die Art wie Landwirtschaft betrieben wird: Spannungsfeld Wunsch nach Bio versus Kaufentscheidung über Preis, Billig und Paradies funktioniert nicht
- Schutz über Netze und Tunnel ist möglich, aber sehr investitionsintensiv
- Landwirtschaft und Imkerei kein Widerspruch
- Landwirte, die auch Bienen halten, sind aufgrund der Spezialisierung seltener geworden
- Aufruf zur offenen Kommunikation zwischen Imkern und Landwirten!
„Schwarmvorbeuge durch Volksteilung nach der Frühtracht“, Markus Schwarz Imkermeister HonigManufaktur Spatzenhof
- „Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.“
(Albert Einstein, 1879–1955) - Vollerwerbslandwirt mit Biolandbetrieb aus Überzeugung
- Bienenfutter: Biolandrübenzucker aus Baden-Württemberg, Preis ca. 3fach ggü. Stärkefuttersirup
- Hofladen, weil die Kundschaft es vehement eingefordert hat
- Schon immer Onlinehandel
- Keine klassische Wanderimkerei
- Fokus auf Regionalität
- Volksteilen nach der Frühtracht, Warum?
- Aufwand reduzieren
- Wirtschaftlichen Ertrag verbessern
- Vorgehensweise
- Volk ca. 50/50 aufgeteilt, plus Mittelwand und Schied, Honigraum bleibt auf dem Ausgangsvolk
- Volk mit Altkönigin und Volk mit Weiselzelle oder Jungkönigin
- Weniger Zeit in Summe für geteilte Völker als für beide geteilten Völker
- Völker mit Altköniginnen haben Honigernte gebracht, Neuvölker nicht (Effekt auch aufgrund der Teilung an Ausgangsstandort, d.h. Flugbienen beim Altvolk)
- Wirtschaftliche Betrachtung zeigt Vorteil dieser Methode (Wert des neuen Volks ausschlaggebend plus ggf. Nutzung in Spättracht)
- Varroabelastung der Völker geringer
- Volksteilung stellt Schwarmtrieb komplett ab
Einmal rühren ist genug? Test mit dem Rapido.

Feinsteifer Blütenhonig in wenigen Minuten ?!
Der effiziente Ansatz des Rapido ist es, dass man nicht direkt nach der Ernte den Blütenhonig cremig rührt, sondern erst dann, wenn man ihn braucht. Dazu ist es nur erforderlich, den Honig etwas zu temperieren und ihn in einem Durchgang von 2-3 Minuten in die cremige Konsistenz zu bringen.
Hier findet sich der Rapido von Dr. Klaus Wallner und das Video, das zeigt, wie es gehen kann.
Erster Versuch:
Mein erster Versuch lief nicht so ideal. Einen Eimer festen Blütenhonig habe ich auf knapp 30°C temperiert und dann mit dem Rapido und meinem Rührwerk gerührt. Das Ergebnis ist leider nicht so feincremig wie ich mir das gewünscht hätte. Der Honig enthält noch viele größere Kristalle, die sich aufgrund der inzwischen recht flüssigen Konsistenz nicht mehr zerkleinern lassen.



Zweiter Versuch:
Offenbar waren die Kristalle zu groß oder aber der Honig bereits zu warm. Als zweiten Versuch habe ich einen Eimer Blütenhonig ohne ihn zu erwärmen direkt bei Zimmertemperatur gerührt.
Auszug aus FAQ von Biorat: „Wenn der Honig sehr grob kristallisiert, dann muss die Aufwärmtemperatur etwas reduziert werden, damit die Kristalle den nach unten stehenden scharfkantigen Barren nicht ausweichen können – dann müsste auch dieser Honig gehen. Kristalle, die man auf der Zunge noch spüren kann, beeinflussen de spätere cremige Konsistenz nicht. Nur das interessiert die Honigkunden wirklich.“
Das Ergebnis ist beim zweiten Versuch zwar etwas besser, aber auch dieser Honig enthält für meinen Geschmack immer noch zu viele große Kristalle. Da ich kurzfristig cremigen Honig im Glas benötige, habe ich ihn trotzdem abgefüllt. Geschmacklich ist er perfekt.





Den ersten Eimer werde ich in den nächsten Tagen nochmal rühren. Mal sehen, wie sich die Konsistenz dann einstellt.
Honigräume vorbereiten

Noch ist etwas Zeit bis zur ersten Tracht, aber nachdem es inzwischen deutlich mehr Bienenvölker sind, muss auch die Vorbereitung früher beginnen.
Mit der Routine der letzten Jahren geht es eigentlich ganz fix:
- Alte und nicht mehr benötigte Waben wurden nach der Saison ausgeschmolzen, mit Natronlauge gewaschen und getrocknet
- Stark verzogene Rähmchen und alte Rähmchen mit Abstandshaltern werden aussortiert
- Mittelwände werden eingelötet in ganze und halbhohe Rähmchen
- Ganz- und Halbzargen werden mit Rähmchen bestückt und bis zur Verwendung als Honigräume eingelagert




Bienenflug an Ostern
Am Bienenstand beginnt es zu blühen
NABU &Co im Bottwartal: Das Insektensterben geht uns alle an!
Veilchen und reparierte Flugbretter

Ist das jetzt schon Frühling oder doch nicht… Die Bienen geben massiv Gas und werden dann von einer Kältephase wieder gebremst. In jedem Fall sind sie seit einiger Zeit in der Brut und es muss daher geheizt und die Brut versorgt werden. Der Futterbedarf steigt im Moment also an und die Natur drängt auch Richtung Frühling, z.B. blühen Weide und Kornellkirsche, die im Frühjahr wichtig sind für die Bienen.
Da sie bei gutem Wetter wieder verstärkt ausfliegen, bekommen die Bienenkästen wieder die Flugbretter montiert, die über den Winter teilweise instandgesetzt werden mussten.

Bei der Kontrolle bekommen einige Völker, die sich schon sehr stark entwickelt haben noch eine Futterteigpäckchen aufgelegt. Eine Reserve für die aktuelle Kältephase.


Hohenheimer Tag 2018

Dieses Jahr fand der Hohenheimer Tag der Gesellschaft der Freunde der Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim e.V. im neuen Otto Rettenmaier Audimax statt. Da die Mensa an diesem Sonntag das Catering nicht übernehmen konnte, wurde es in Eigenregie von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der LAB Hohenheim übernommen. Eigentlich passten der große und sehr moderne Hörsaal und die klassisch einfache Verpflegung mit Saitenwürsten und Brötchen sehr gut zusammen.
Die Freunde der LAB und Mitarbeiter der LAB haben diesen Hohenheimer Tag in allen Aspekten, von den Vorträgen bis zum Kaffee sehr gut organisiert.
Kernthemen der Berichte und Vorträge:
Bericht des Vereins:
- Mitgliederzahl 565 (+2)
- Feldversuch zu Varromed wird finanziell unterstützt
Bericht der LAB (Dr. Peter Rosenkranz):
- Baugenehmigung für Neubau erteilt, Kosten rund 10 Mio.€
- Aufgabenschwerpunkte weiterhin 3 Säulen: Angewandte Forschung, Analytik/Untersuchungen und Ausbildung/Lehre, Beratung, Öffentlichkeitsarbeit
- Schulungssystem soll überarbeitet werden, Ziel Multiplikatoren in den Vereinen, Pilotprojekte dieses Jahr und dann Ausrollung über 2-3 Jahre, mit Qualitätskontrolle
- Jahresbericht wird im April in Bienenpflege erscheinen
- Neues Projekt zur Identifizierung von Honigtauhonig, Unterstützung durch Imker erforderlich, Wo honigt es im Wald?
- Dropleg-Düsen wurden ausgezeichnet
- Ricola-Projekt läuft weiter (Varroa sensitive Hygiene, VSH), nur 2 Völker von 40 haben im Raum Hohenheim überlebt, Varroabehandlung ist weiterhin ein klares Muss
Varroa-Kontrolle mit Lithiumchlorid (Dr. Bettina Ziegelmann):
- Lithiumchlorid wird in der Therapie manisch-depressiver Patienten eingesetzt
- Den Bienen wird über den Futtersirup Lithiumchlorid verabreicht
- 96-100% der Milben werden getötet (5-7 Tage)
- 24h-Fütterung ausreichend, kein Einfluss auf Bienensterblichkeit
- Bei Dauerfütterung verkürzt sich das Leben der Bienen
- Wirkungsgrad bei Kunstschwärmen untersucht, Wirkungsgrade >95%
- Brut reagiert empfindlicher auf Lithium
- Träufel- und Sprühversuche sollen zur Entwicklung Behandlungsmethoden dienen, Untersuchungen laufen noch, >90% Wirkung
- Wirkung schnell, systemisch und effektiv
- Behandlung brutfreier Völker zielführend
- Behandlung brütender Völker muss weiter untersucht werden
- Partner für weitere Forschung und Zulassung wird gesucht
Untersuchungen zur Wirksamkeit von Varromed ( Dr. Peter Rosenkranz):
- Keine Alternative zur klassischen Behandlung
- Varromed wurde neu zugelassen, Hauptbestandteile AS und OX plus ätherischer Öle, apothekenpflichtig
- Behandlung während der Saison in brütenden Völkern zugelassen, wirkt etwas länger als AS
- 5x Träufelbehandlung nacheinander, 3x reicht nicht aus, Kontrolle der fallenden Milben in jedem Fall erforderlich, mehr Milben in der Behandlungsgruppe der Varromed-Völker gegenüber der Kontrollgruppe mit AS/OX, Grund dafür wahrscheinlich der langsamere Wirkungsbeginn der Varromed-Behandlung
- Voraussichtlich als Alternative zur 2. AS-Behandlung denkbar
- Wirkungsgrad niedriger als erwartet
- Aufwand größer als bei klassischer Behandlung, Kosten hoch, Bienenschäden nicht endgültig geklärt
- Weitere Feldversuche sind geplant
Etablierung einer GC-Analysemethode zum Nachweis von Verfälschungen von Bienenwachs (Masterarbeit Anke Kohnle):
- Chemisches Profil des authentischen Bienenwachs erstellt, auf Basis von Wachs von Bioimkern => Fingerabdruck mit Gaschromatographie
- Versuche mit Verfälschung durch Stearin und Paraffin
- Stearinverfälschungen sind im Gaschromatogramm einfach zu erkennen, Paraffinverfälschung sind schwieriger zu identifizieren
- 37 Proben der Kunden der LAB wurden untersucht, in über 70% wurden Verfälschungen gefunden, Nachweise <1% sind erkennbar
- Schäden treten ab ca. 20% Verfälschung auf
- Laborvergleiche werden ausgewertet
- Vereinheitlichung der Methoden soll vorangetrieben werden
- Ziel: Einheitlicher Standard für Wachsanalysen
Entwicklung und Einführung eines biodiversitären Züchtungsprogramms zur Steigerung der Attraktivität des urbanen Grüns für Insekten (Lea Kretschmar):
- Insektenfreundliche Saargutsortimente sollen untersucht werden
- Verwendung im urbanen Raum wird untersucht
- Selektionsmerkmale werden identifiziert
- 5 Partner, 3 Teilversuche
- Auch in Hinterhöfen in der Stadt könnte Nutzen für Wildbienen gefunden werden
- Unterschiedliche Sorten einer Art können sehr unterschiedliche Ergebnisse bringen, d.h. Empfehlungen für Arten reichen nicht aus
Vorstellung des neuen Bieneninstituts in Braunschweig und aktuelle Probleme im Bereich Pflanzenschutz / Bienenschutz ( Dr. Jens Pistorius):
- Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen
- Bundesresortforschungsstelle des Landwirtschaftsministeriums
- Eigenständiges Institut für Bienenschutz & Bienenschutz
- Beratung der Bundesregierung zum Bienenschutz, Erarbeitung von Entscheidungshilfen, Risikobewertungen bei Pflanzenschutzmitteln, Untersuchungen auf Vergiftungen und Schäden (direkte und subletale Wirkung), Forschung zur Risikominderung, Forschung zu Wechselwirkungen
- Neutrale Finanzierung durch JKI und BMEL und durch neutrale Drittmittel
- Risikobewertung nicht mehr für Bundesrepublik, sondern zonal für eine der 3 Klimazonen in Europa, Wirkstoffe werden zuerst auf gesamteuropäischer Ebene zugelassen
- Forschung zu Saatgutbeizung (Staubdrift, systemische Rückstände, Guttation, etc.), Spritzungen (Spritzdrift) und weiteren Themen, wie z.B. Tankmischungen
- Versuchsimkerei
- Kooperationen mit anderen Instituten innerhalb des JKI
- Kooperationen mit externen Partnern, z.B. Bieneninstitute inkl. Hohenheim und ausländischen Partnern
- Forschung zur Entwicklung und Verifikation zur Erstellung von internationalen Standards
- Untersuchung von eingesendeten Bienen beim Verdacht auf Vergiftungen mit Pflanzenschutzmitteln (kostenlos für Imker), nachgewiesene Fälle meist Verstöße gegen die Anwendungsregeln
- Erkenntnisse zu spezifischen Stoffen, Methodenentwicklung und Prüfvorschriften Risikobewertung, Schulungen, usw.
Herausforderungen auf dem Weg zur Erwerbsimkerei (Markus Schwarz):
- Vom Dipl.-Ing. der technischen Informatik zum Imkermeister
- 250+ Wirtschaftsvölker, Vollerwerb seit 2015, Bioland seit 2007
- Vermarktung über Onlineshop, Hofladen und Bioläden, online massiv zunehmend
- Honig, Propolis, Blütenpollen, Honig-Senf, -Wein, -Likör, Propolis-Produkte
- Neubau Imkereigebäude 2015
- Keine klassische Wanderimkerei
- Vielfältige Honige und weniger Sortenhonige
- Fokus auf Regionalität
- Voller Einsatz für höchste Qualität: Naturbau im Honigraum, Honiglagerung im Kühlhaus, bevorzugt Honige aus Läppertrachten (keine Massentrachten)
- Herausforderungen: effiziente Arbeitsabläufe, Gliederung Imkereigebäude, Imkereitechnik, Zeitmanagement, Betriebs-Versicherung, Wirtschaftlichkeit
- Es gibt keinen Leitfaden oder Literatur zum Aufbau einer Erwerbsimkerei
- Welche Absatzwege bringen den besten Gewinn?, Wie erhöhe ich meinen Deckungsbeitrag?
- Wieviele Völker?, Abhängig von Verarbeitungsstufe, d.h. je mehr Wertschöpfung, desto weniger Völker. Zusätzlicher Deckungsbeitrag ist dabei Voraussetzung. Verkaufsgeschick ist wichtig.
- Wirtschaftlichkeitsrechnung nach einzelnen Wertschöpfungsketten (z.B. Erzeugung von Königinnen oder Jungvölkern, Honigproduktion, etc.)
- Varroa-Behandlung nach dem Hohenheimer Konzept
- Futtersirup aus Biozucker und Wasser 1:1 im IBC-Container mit IBC-Rührer anrühren, Adamfütterer umgedreht als Deckel zur AS-Behandlung über Nassenheider prof.
Waldtracht: Verlauf 2017 und Aussichten für 2018 (Thomas Lorenz):
- Ernte 2017: ausgesprochen gutes Waldhonigjahr, Tannenhonig nur gering
- Prognose 2018: In einer Hochphase nimmt die Parasitierung der Lecanien zu, was jetzt kommen könnte. Tendenziell könnten höhere Lagen bessere Erträge bringen. D.h. eher weniger Lecanien und mehr Tannenläuse.
Keine Verluste – sie leben, fliegen und brüten

Jeder Winter ist spannend!
Werden die Bienen den Winter gut überstehen?
Wieviele Verluste wird es geben und warum schaffen es die jeweiligen Völker nicht?
Nachdem man die Bienenvölker im Herbst auf die Einwinterung vorbereitet hat, kann man eigentlich nur abwarten. Im letzten Herbst sah es gut aus. Die Bienenvölker waren stark und es ist nur ein durch Räuberei geschwächter Ableger vor der Oxalbehandlung eingegangen. An diesem Wochenende sind die Temperaturen über 10°C gestiegen und die Prognosen zeigen, dass es mindestens eine Woche warm bleiben soll. Es war also Zeit für die erste komplette Kontrolle der Völker.
Die Verlustrate liegt bei 0%!
Alle Völker haben den Winter überlebt und machen einen sehr guten Eindruck. Sie tragen Pollen ein und sind offenbar bereits wieder in die Brut gegangen. Ich habe zwar die Deckel geöffnet, lasse aber die Waben bewusst vorläuftig noch in Ruhe. Der Blick in die Wabengassen zeigt aber, dass die Völker teilweise erstaunlich stark sind.
Ein Volk, das letztes Jahr schon extrem stark war und manchmal seinen Kasten heftig verteidigt hat, steht nicht umsonst etwas abseits. Auch sie haben den Winter gut überstanden und das Öffnen des Kastens mit einem Frontalangriff quittiert. So habe ich schon mal die ersten Stiche für dieses Jahr und die Gewissheit, dass bei diesem Volk weiterhin Vorsicht geboten ist.
Dass alle Völker den Winter überstanden haben, ist noch keine Garantie dafür, dass sie sich zu guten Wirtschaftsvölkern entwickeln.
Aber ein guter Anfang ist schon mal gemacht.
Beehive In A Jar – Verrückte Idee? Ein Versuchsaufbau.

Beim Start-Up-Treffen des Imkervereins hat sich am Tisch eine wunderbar gemischte Gruppe von Hobbyimkern zusammengefunden. Von der Neuimkerin mit einem Bienenvolk bis zum Imker mit einer großen Erfahrung bei der Herstellung von Obstweinen und Met. Im Laufe des Abends wurden gleich die ersten Projekte diskutiert und gestartet. Es wird also z.B. bald eine größere Menge älterer Honig zu feinem Met veredelt.
Ein anderes Thema war Wabenhonig. Wir waren uns schnell einig, dass die Rähmchenkassetten aus Kunststoff kein besonders eleganter Weg sind. Bei mir haben die Bienen diese vorgefertigten Bauteile komplett ignoriert. Meinen Wabenhonig habe ich mit Drohnenrahmen gewonnen, den meine Bienen nach der Drohnenbrut bei starker Tracht im Wald komplett ausgebaut und darin Honig eingelagert haben. Das kann klappen, oder auch nicht.
Ein Neuimker hat zu diesem Thema einen Internetfund ins Spiel gebracht. Bei Handimania.com gibt es einen Beitrag namens „Beehive In A Jar“. Dabei lässt ein Imker die Bienen direkt in Honiggläser Waben bauen und diese mit Honig füllen. Danach werden die Gläser entnommen und einfach mit Honig aufgefüllt. Das Ergebnis ist frische Naturwabenbau mit Honig. Schön anzusehen und hygienisch verpackt.
Dass Bienen in Gläser Waben bauen, kann man auch an der Landesanstalt für Bienenkunde in Hohenheim sehen. Dort befindet sich als Ausstellungsstück ein Bienenstock, der in einen sehr großen Glasballon gebaut ist.
Die Suche im Internet nach passenden Gläser-Zargen brachte Ergebnisse. Es finden sich solche Aufbauten z.B. bei russischen Imkerhändlern. Aber irgendwie passt das alles nicht so richtig.

Ich habe daher selbst mal einen Versuchsaufbau gebaut. Die Kiste hat das Format einer Halbzarge und passt mit dem entsprechenden bee-space direkt über einen Honigraum oder ein Absperrgitter. Als Gläser verwende ich meine 500g Standardgläser. Ich habe bewusst die Anzahl der Gläser nicht maximiert, sondern sie zur Mitte hin orientiert. Wie bei Honigräumen orientieren sich die Bienen über dem Brutnest in der Regel zur Mitte hin.


Die Versuchskiste ist sehr solide und schwer ausgefallen, aber die Verschraubung der Deckel sorgt dafür, dass die Gläser sicher in ihrer Position bleiben und keine Bienen ins Innere der Kiste kommen.
Soweit die Theorie. Sobald die Trachtverhältnisse entsprechend gut sind, wird die Gläserkiste zum Einsatz kommen. Mal sehen, was die Bienen von dieser Idee halten.
Buchtipp: Wildbienenhelfer von Anja Eder

Herausragende Fotos von Wildbienen, Hummeln und Blühpflanzen, präzise Beschreibungen und ein ausgefeiltes Layout.
Man erkennt sofort, dass dieses Buch für Anja Eder eine persönliche Mission war. 3 1/2 Jahre Arbeit und ganz viel Herzblut stecken in diesem Projekt.
Darüber informiert das Buch:
- Vorkommen und Flugzeit heimischer Wildbienen
- Blütenbesuch / Lebensraum / Lebensweise
- Originalgröße der Bienen als Grafik
- Blühmonat wichtiger Blühpflanzen
- Angabe über Nektar- und Pollengehalt
- Die wichtigsten, heimischen Blühpflanzen für oligolektische Wildbienen
- Nisthilfen / Kuckucksbienen / Invasive Pflanzen
Anja Eder: „Ein Buch für Entdecker und alle, denen unsere Artenvielfalt am Herzen liegt. Es macht jeden – der will – zum Wildbienenhelfer. Denn letztlich kann man nur schützen, was man kennt.“
Das Buch wurde unabhängig durch Crowdfunding über die Plattform Startnext finanziert. Statt der ursprünglich geplanten 500 Exemplare, konnten so bereits 3.000 Bücher gedruckt werden. Es freut mich sehr, einer der Unterstützer dieses Projektes gewesen zu sein.
Hier geht es zum Buch: https://www.wildbienen-garten.de/wildbienen-buch/
Die Wildbiene des Jahres 2018 ist übrigens die Gelbbindige Furchenbiene. Sie ist auf Seite 50 zu finden.
Rückstandsanalyse von Bienenwachs

Die Verwendung von sauberem Bienenwachs ist essentiell für gesunde Bienen und reinen Honig.
Aus diesem Grund wird bei den Bottwarbienen inzwischen nur noch eigenes Wachs verwendet. Das heißt, dass für die Herstellung von neuen Mittelwänden nur das von den eigenen Bienenwaben ausgeschmolzene Wachs verwendet wird. Dieses Vorgehen wird als geschlossener Wachskreislauf bezeichnet.
Dieser Wachskreislauf enthält auch Wachs, das in den ersten Jahren der Imkerei von außen kam und dessen Herkunft nicht im Detail nachvollziehbar ist, beispielsweise in Form von erhaltenen Ablegern und zugekauften Völkern, aber auch in Form von gekauften Mittelwänden. Um zu Wissen, welche Rückstände ggf. im Wachs enthalten sind, habe ich eine Rückstandsanalyse bei der Landesanstalt für Bienenkunde in Hohenheim in Auftrag gegeben.
Ergebnis: Das Wachs hat eine gute Qualität, es ist rückstandsarm, aber nicht völlig rückstandsfrei.
Folgende Stoffe konnten bei der Analyse nicht nachgewiesen werden:
Brompropylat (Varroa-Bekämpfungsmittel Folbex VA Neu)
Coumaphos (Varroa-Bekämpfungsmittel Perizin / Asuntol)
Tetradifon (Varroa-Bekämpfungsmittel Tedion)
Acrinathin (Varroa-Bekämpfungsmittel Gabon PA)
Vinclozolin (Pflanzenschutzmittel Ronilan)
Alpha-Cyhalothrin (Pflanzenschutzmittel Fastac SC)
Lambda-Cyfluthrin (Pflanzenschutzmittel Karate)
Boscalid (Pflanzenschutzmittel Cantus)
Beta-Cyfluthrin (Pflanzenschutzmittel Bulldock)
Tolyfluanid (Pflanzenschutzmittel Euparen M WG)
Myclobutanil (Pflanzenschutzmittel Systhane)
Iprodion (Pflanzenschutzmittel Verisan)
Deltamethrin (Pflanzenschutzmittel Decis)
Chlorfenvinphos ( Pflanzenschutzmittel Supona)
Der folgende Stoff konnte nachgewiesen werden:
Fluvalinat (Varroa-Bekämpfungsmittel Klartan / Apistan)
Die Rücksprache mit dem Labor in Hohenheim hat folgendes ergeben:
Fluvalinat gehörte zu den weltweit am intensivsten eingesetzten Varroazide. In Deutschland wurde es illegal verwendet. Heute haben wir resistente Milben, die auf den Wirkstoff nicht mehr reagieren. Im internationalen Wachs gehört es zu den Wirkstoffen, die sehr häufig im Wachs auftauchen. Auch im Mittelwandhandel in Deutschland. Im Pflanzenschutz ist es als Rapsblüten-Insektizid im Einsatz und führt dort, sehr selten, zu Rückständen im Rapshonig. Der Wirkstoff ist gut wachslöslich und neigt prinzipiell zur Anreicherung im Wachs.
Allerdings ist der Wirkstoff auch fest an Wachs gebunden, d.h. seine Auswanderungstendenz in den Honig ist, im Gegensatz zu anderen Wirkstoffen, sehr gering. Daher kann man den Messwert als einen Schönheitsfehler betrachten und nicht als wirkliches Problem. Die Honigqualität ist nicht gefährdet!
Die Behandlungsstrategie wird schnell zu entsprechenden Verdünnungseffekten führen, so dass die Gehalte im unmessbaren Bereich liegen.
Ein Wintermoment
Verbesserungsvorschlag von Josefine

Josefine ist 5 Jahre alt und isst gerne Honig. Beim Frühstück hat sie sich das Honigglas mal genauer angeschaut und festgestellt, dass die Bienenhäuser auf dem Etikett zwar schön bunt sind, aber dass ihnen etwas fehlt. Es fehlt Pink!
Damit die Bottwarbienen wissen, wie Josefine sich das vorstellt, hat sie am Frühstückstisch auch gleich noch ihren Verbesserungsvorschlag gemalt. Einen bunten Bienenkasten mit einem pinken Satteldach.
Josefine hat Recht, es gibt bisher keine Beutenteile in Pink bei den Bottwarbienen. Außer einigen Brauntönen sind alle Farben der Auro Holzlasur Aqua Nr. 160 vertreten. Das Problem dabei ist, dass es von Auro Naturfarben kein Pink, Rosa oder Violett gibt. Bestimmt hätten wir sonst auch schon eine dieser Farben ausprobiert.

Liebe Josefine,
vielen Dank für deinen Vorschlag. Du bist herzlich eingeladen, die Bienen im Frühjahr im Bottwartal zu besuchen. Zusammen mit dem Imker kannst du dann in einen Bienenkasten hineinschauen und sehen, wie das die Bienen so machen mit dem Honig für dein Frühstück.
Lithiumchlorid: Durchbruch bei der Bekämpfung der Varroa-Milbe?!
Herzlichen Glückwunsch an Dr. Peter Rosenkranz, Dr. Bettina Ziegelmann und das ganze Team der LAB Hohenheim!
Nachdem von den Mitarbeitern der LAB bereits beim Hohenheimer Tag der Gesellschaft der Freunde der Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim im März 2017 von den erfolgsversprechenden Untersuchungen zur Wirkung von Lithiumchlorid berichtet wurde, wurden die Ergebnisse jetzt umfassend veröffentlicht. In einem detaillierten Artikel im international renommierten „Scientific Report“ haben die Hohenheimer Wissenschaftler ihre in Zusammenarbeit mit der Firma siTOOLs erzielten Forschungsergebnisse zum Lithiumchlorid veröffentlicht. Parallel wurde von der Universität eine entsprechende Pressemitteilung herausgegeben, die auch in der regionalen und nationalen Presse, sowie den sozialen Netzwerken aufgegriffen wurde.
Auszug aus dem Text der Pressemitteilung der Uni Stuttgart:
„Hoffnung für Imker: Erstmals gelang es Forschern der Universität Hohenheim in Stuttgart ein potentielles Medikament zu entwickeln, das befallene Bienenstöcke mit geringem Arbeitsaufwand über die Fütterung von der gefürchteten Varroa-Milbe befreien kann. Die Varroa-Milbe zählt weltweit zu den gefährlichsten Feinden der Bienen: innerhalb von ein bis drei Jahren kann sie ein Bienenvolk komplett ausrotten. Bislang mussten Imker befallene Bienenstöcke mit aggressiven organischen Säuren oder chemisch hergestellten Milbenbekämpfungsmitteln behandeln, die Resistenzprobleme und Rückstände verursachen. Bei der vielversprechenden Substanz handelt es sich um leicht verfügbares Lithiumchlorid. Nach über 25 Jahren Forschung steht damit erstmals ein neuer Wirkstoff im weltweiten Kampf gegen die Varroa-Milbe zur Verfügung, der völlig anders wirkt als bisherige Mittel. Derzeit laufen bereits Gespräche mit Unternehmen mit dem Ziel einer Produktentwicklung und Zulassung“
Jetzt bleibt zu hoffen, dass die weiteren Untersuchungen die Wirksamkeit ohne Nebenwirkungen und die einfache Handhabung bestätigen. Da die Zulassung eines Wirkstoffs als Medikament zeitraubend und vor allem sehr teuer ist, wird hoffentlich auch ein Weg gefunden, diese Ansatz zeitnah für Imker verfügbar zu machen.
Quellen:
Link zu Pressemitteilung der Uni Hohenheim vom 12.01.2018: Bienen-Parasit: Forscher entdecken Medikament gegen Varroa-Milbe
Link zu Artikel in Scientific Reports: Lithium chloride effectively kills the honey bee parasite Varroa destructor by a systemic mode of action




















